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dem sie lange in schlechten privaten Verhältnissen sich hingeschleppt haben, ein Bild
weit schwererer Erkrankung in jeder Beziehung darboten, als solche, die (bei gleicher
Dauer der Erkrankung) mehr im Beginn schon geordnete Hospitalpflege genossen.
So kamen im Ganzen 11 Kranke, deren Krankheit schon über 4 Wochen gedauert
hatte, ehe sie aufgenommen wurden. Von diesen starben 4, 3 andre machten einen
Typhus schwersten Grades durch, mit einen Hospitalsaufenthalt von über 10 Wochen.
Unter den 18 andern am Typhus Gestorbenen waren 10, deren Krankheitsdauer vor
der Aufnahme schon 2 bis 4 Wochen betrug.
Ueber die gewöhnlichen Typhus-Symptome, die Fieberverhältnisse, das Exan
them und sein Ausbruch, die Diarrhoen, den Bronchialkatarrh, habe ich nichts Neues
beizufügen. Die höchsten gemessenen Abendtemperaturen waren in einigen Fällen
41,8° C. Die höchsten Morgentemperaturen 41,4. — In wenigen Fällen erreichte
die Temperatur nie 40,0. Das Exanthem fehlte oder ward nicht bemerkt, ausser
mehrmals in sonst nicht charakteristischer Weise in 3 Fällen, die mit Erysip. fac. » l
den ersten Tagen debutirten. Nicht selten erschien eine auffallende Incongruenz
der Temperaturhöhe mit der Grösse der Gesammterkrankung, indem einerseits hohe
Temperaturen bestanden bei auffallend geringen, namentl. subjectiven Symptomen, »»'
dererseits eine nur mässige Temperatur mit ausgeprägten, namentl. sog. Hirnsymp'
tomen einhergehen konnte. — Allenfalls zu erwähnen wäre auch, dass in nicht seltene»
Fällen im Verlaufe des Typhus, besonders in der zweiten Periode, irreguläre Schüttel
fröste auftraten, die sich als unmotivirte herausstellten, so dass weder der Eintritt einer
Complication constatirt werden konnte, noch ein Intermittensproeess vorlag, noch ein
Recidiv angenommen werden konnte, noch endlich ein lethaler Ausgang ihre ominöse
Bedeutung bestätigt hätte.
Von mehr Interesse dürften die Co mb inationen des Typhus mit ändert 1 »
chronischen und acuten Krankheiten, sowie das Befallenwerden ver
schiedener Insassen des Krankenhauses vom Typhus und das Vorkommen
desselben in einigen Fällen von Schwangerschaft und Puerperium sein.
Von den anderweitig Kranken, die vom Typhus befallen wurden, gehört ei»
guter. Theil den Bewohnern des Krankenhauses an, und wenn auch bei der allg c
meinen Verbreitung der Epidemie man in diesen Fällen kaum fragen darf, ob Coi
tagion oder allg. epidem. Infection die Ursache war, so sind diese hälle doch imm cr
erwähnenswerth. In den Monaten der Epidemie lagen durchschnittlich in den Säle»
der medicinischen Abtheilung 20 bis 30 Typhuskranke, vertheilt zwischen einet»
Krankenbestande von 70 bis 80. Von diesem erkrankten in der ganzen Zeit der Ep 1 '
demie nur 5 am Typhus. Ausser diesen kamen noch 5 andre Hausinfectionen vor-
Unter den letztem war ein Wärter der medicinischen Station, der fortwährend Typh» s

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