Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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allen überlegen, denn noch der März 1868 lieferte eine Krankenzahl, wie sie sonst, 
nur epidemischen Monaten zukomrnt und noch im April wurden so viele Typhus- 
kranke aufgenommen, wie bisher nur 2mal in den 2 Aprils vor und nach den Epide- 
uuen von 1865. — Wenn die Höhe der Epidemie in Altona bemessen werden kann 
nach der Zahl der Kranken, die im Krankenhause Aufnahme fanden, so fand von der 
■Hitte des Juli bis Mitte August ein energischer Anfang statt (gemäss einer Aufnahme 
von 27 Fällen); es folgte im folgenden Monat eine leichte Remission (11 Fälle), dann 
wieder eine leichte Steigerung mit der 2ten Hälfte des September (17 Fälle). Die 
höchste Höhe erreichte die Epidemie dann von der Mitte des October bis zur Mitte 
November (43 Fälle), verläuft dann gleichmässig bis zum März 1868 und erlischt im 
Laufe des April. Bemerkenswerthe Unterschiede zeigt sich in dieser Hinsicht nicht 
g ( igen die Vorjahre, mit Ausnahme etwa der auffallenden geringen Zahl von der Mitte 
des August bis zur Mitte des September, wie sie in früheren Jahren nicht vorkommt. 
L) Betreff der Perniciosität der Epidemie in ihren Steigerungen und Remissionen 
aus diesen kleinen Zahlen ein Resultat ziehen zu wollen, dürfte zu gewagt sein; 
übrigens lässt auch die Zahl der vorgekommenen Todesfälle keinen durchgreifenden 
Unterschied wahrnehmen. Wohl aber ist ein wesentlicher Unterschied in den 2 Hälften 
der Epidemie darin, dass in der ersten Hälfte die schweren Fälle an Zahl überwiegen, 
Während in der zweiten die leichten viel häufiger werden, dass sie ungefähr den schweren 
gleichkommen. Diese Krankenhausverhältnisse als entsprechend der Art der Erkran 
kungen in der Stadt zu nehmen, ist wahrscheinlich annähernd richtig, zu vergessen 
ls t dabei aber nicht, dass mit den spätem Monaten der Epidemie zugleich der Winter 
nnrner mehr vorrückte und sicherlich viele leichte Fälle ins Hospital trieb, die im 
August, September und October draussen geblieben wären. 
Ehe ich eine Zusammenstellung der schweren und leichtern Fälle 
gebe, und ihre Vertheilung über die erste und zweite Hälfte der Epidemie, bemerke 
lc u> dass ich die Trennung in schwere und leichte Fälle nach folgenden Principien 
v °rnehme: Ein Typhusfall wird ein schwerer, wenn nicht in den regelrechten Ablauf 
desselben gehörige, wesentlich störend wirkende Complicationen hinzutreten, — wenn, 
s °lbst bei nicht hohem Fieber, dies sich lange hinsqhleppt, — endlich wenn, auch bei 
kürzerer Dauer ein hohes Fieber mit tumultuarischen Krankheitserscheinungen den 
wenn auch nur für 1 oder 2 Wochen bedenklich machte. Leicht sind für mich 
d'e Fälle, in denen keine störenden Complicationen eintreten, und in denen, unter 
Umständen auch mit hohen Temperaturen, die Gesammtdauer des Fiebers 3 Wochen 
üieht übersteigt, oder in denen das Fieber, wenn länger dauernd, eine bedeutende 
°‘ le nicht erreicht und einen relativ geringen Einfluss auf das Gesammtbefinden 
,l ussert. -— Dabei bleibt natürlich die Abschätzung oft der subjectiven Ansicht über- 
^ assen , aber den Maassstab einer 18tägigen Fieberdauer nach Griesinger zur Unter- 
Sc heidung von schweren und leichten Fällen anzulegen, scheint mir desshalb nicht
	        

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