14
Nach eingezogener Erkundigung ist bis jetzt kein Recidiv aufgetreten. Für
das Myxom characteristisch ist in diesem Falle wieder das schnelle Wachsen der
Geschwulst.
Frau Marg. Pr. (siehe Fig. 3) 41) Jahre alt. Bis zu Weihnachten 1866 will
Patientin stets gesund gewesen sein. Nun entdeckte sie in der Tiefe der linken
Brust eine ziemlich grosse Geschwulst, welche rasch und zuerst schmerzlos wuchs.
Vor 3 Monaten stellten sich stechende Schmerzen ein, ebenso von dieser Zeit an
Appetitlosigkeit und rapid zunehmende Abmagerung. Der Hornoeopathie unbedingt
vertrauend liess sie sich demgemäss behandeln und erst vor 14 Tagen wurde ihr der
Rath zur Extirpation gegeben. Am 27. Mai 1867 stellte sich Patientin mit einer
enorm grossen Geschwulst vor, von knolliger, unregelmässiger Oberfläche. Stellenweise
war ausgeprägte Fluctuation vorhanden, an andern Stellen mehr das Gefühl von so
liden Knoten. Ueber den ganzen Tumor verlief ein Netz stark ausgedehnter Venen,
derselbe war jedoch weder mit den unterliegenden Theilen, noch mit der Haut ver
wachsen. Umfang 53 Ctm., Länge 42 Ctm.
Hier eine Diagnose zu stellen, war ungemein schwer. Das rasche Wachsen,
das cachectische Aussehen, das Gefühl von Fluctuation, Alles das deutete auf
ein Medullarcareinom und für solches ward es denn auch vor der Operation
gehalten.
Nur die dringendsten Bitten und die Seelenangst der von dem Gewicht der
Geschwulst aufs Aeusserste beschwerten Frau konnten Herrn Prof. Esmarch z u
dem Entschluss der Operation bewegen, welche denn auch am 8. Juni vorgenornü> en
wurde. In raschen Messerzügen wurde zusammen mit der bedeckenden Haut der
Tumor abgetragen. Relativ war der Blutverlust ein geringer zu nennen. Die exstir-
pirte Masse wog 9 Pfund und bot das exquisite Bild eines Cystosarcoma myx°'
matodes. Im Centrum fanden sich Cystenräume, gefüllt mit Flüssigkeiten der ver
schiedensten Farbe, hier roth von frischen Blutergüssen, dort braun von alten, oder
ganz klar und schleimig. In mehrere Cysten waren von der Wand derselben wall'
nussgrosse, weissliche Knoten hineingewachsen, welche sie bis zum grössten Theü e
ausfüllten. Vielleicht kann man diesen Fall zu der von Virchow: (Geschwülste
pag. 428) als Myxoma intracanaliculare arborescens bezeiehneten Form rechnen. An
der Peripherie zeigte der Tumor ein weisses, stellenweise sehr blutreiches Gewebe,
ziemlich fest, ohne ausdrückbaren Saft (Sarcomgewebe).
Im Centrum fand sich Myxomgewebe neben kleinzeiligen Sarcomgewebe. G* e
Heilung der grossen Wunde war eine so rapide, dass Patientin schon am 21. J^ 1
fast geheilt entlassen werden konnte.
Leider sollte es nicht lange so bleiben. Schon bald nach der Heilung schwoll
die Umgebung der Narbe an. Am 28. October war eine aus mehren Knollen zu
sammengesetzte, bedeutende Geschwulst vorhanden. Länge 18 Ctm., Breite 15 Ctiu>

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.