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Kranken bleiben, so wird wahrscheinlich jede weitere Behandlung ohne Erfolg
bleiben.“
Von Bedeutung endlich ist das Vorhandensein von Ohrensausen; Politzer*)
legt ein besonderes Gewicht auf dasselbe. Er sagt: „Continuirliche subjective Gehörs-
erj ipfindungen machen die Prognose ungünstig und wenn man in einem Falle von
chronischem Trommelhöhlenkatarrh mit constantem Sausen auch eine eclatante Hör
verbesserung erzielt, ohne dass die subjectiven Geräusche durch die Behandlung ge
ädert worden wären, so kann man mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass
der Erfolg der Behandlung kein bleibender sein, sondern dass früher oder später ein
Küekfall, eine Verminderung der Hörweite wieder eintreten werde.“
Therapie.
Beim chronischen Ohrkatarrh hüte man sich vor dem Fehler, in den leicht
S Pecialisten verfallen, über der localen Behandlung jede allgemeine gering zu schätzen
°der gar völlig zu vernachlässigen. Wenn irgendwo der Zusammenhang einer ört-
hchen Affection mit den allgemeinen Verhältnissen des Körpers zu eruiren ist, so ist
s °lches ganz besonders hier der Fall. Und der Arzt, welcher den Ohrkatarrh eines
aUs gesprochen scrophulösen, schwindsüchtigen oder syphilitischen Individuums mit einer
aus schliesslich örtlichen Kur bedächte, würde sich eines unverzeihlichen Fehlers schuldig
Aachen. So nothwendisr nun aber einerseits es erscheint, unser Augenmerk diesen
G
Un d anderen allgemeinen Anomalien zuzuwenden, so unrichtig würde es andererseits
Sein , Personen, deren Ohrkatarrh mit constitutioneilen üebeln nicht zusammenhängt,
e b>er eingreifenden allgemeinen Kur zu unterwerfen. Vor Allem verdient der inner-
lloh e Gebrauch von Jod, Mercur, die öftere Application von Blutegeln am Zitzenfort-
Satz ohne Bestehen von Congestivzuständen völlig abgewiesen zu werden. Vorurtheils-
beie Aerzte werden auch nicht daran denken, mit den genannten Mitteln zur Besei-
t] gung eines rein localen Leidens etwas beitragen zu können. Indessen können viel-
Kicht Molken-, Trauben- und Mineralwasserkuren von einigem Nutzen sein, wenn bei
bü-er Verordnung richtig individualisirt und eine örtliche Behandlung damit ver-
l)Ur ‘ben wird. Kalte Fluss- und Seebäder sind nur mit grosser Discretion zu gebrauchen,
auch bei aller Vorsicht es nicht selten danach mit den Kranken schlechter geht,
bisweilen jedoch erweisen sich Kaltwasserkuren insofern von Nutzen, als sie die Era-
bbndlichkeit des Körpers gegen erkältende Einflüsse zu mindern vermögen. Zu Br
eitling geneigte Personen haben sich überdies zweckmässig zu kleiden, besonders
*) Wiener mediz. Wochenschrift 1865, No. 67—72. Im Separatabdrn k S. 18.

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