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an Schwerhörigkeit und geringem Ohrensausen gelitten hatte. Das rechte Trommel
fell erschien massig getrübt, der Hammergriff nicht verkürzt, der processus brevis
nicht prominirend. Irn vorderen unteren Quadranten bemerkte ich ausserdem eine
etwa IV2 Mm. Durchmesser haltende, etwas ovale schildförmige, wenig nach aussen
gewölbte, von einem feinen hellen Streifen umsäumte Partie; das Centrum der nn
Uebrigen silbergrau, mattglänzend gefärbten Stelle erschien etwas dunkler und durch
sichtiger als die Randzone. Nach Anwendung der Luftdouche wölbte sich jene Partie
in Gestalt einer äusserst feinhäutigen Blase dermaassen nach aussen, dass sie fast das
ganze vordere Trommelfellsegment und zwei Dritttheile des Hammergriffs verdeckte;
die Farbe erschien dabei nicht mehr rein silbergrau, sondern hatte eine ziemlich starke
gelbliche Beimischung. Im Verlauf einer Stunde, während welcher das Gehör be
deutend besser war als vor der Luftdouche pflegte die Hervorwölbung langsam wieder
zusammenzusinken und das frühere Aussehen wieder anzunehmen. Aehnliche Befunde
sind von Tröltsch*) und Politzer**) verzeichnet. Nach Ersterem soll nach Atrophie
der Schleimhautschichte die Luft die Dermoidschichte hervorwölben, nach Politzer
aber die Schleimhaut durch die atrophischen Fasern der substantia propr. sich nach
Art einer Hernie herausstülpen. Weitere anatomische Untersuchungen können erst
über diese Meinungsdifferenz entscheiden.
Mitunter gelingt es, Schleimanhäufungen durch ein wenig getrübtes Trommel
fell hindurch zu erkennen; einer von zweien derartigen von mir beobachteten Fällen
war besonders instructiv; selbiger betraf ein junges Mädchen von 18 Jahren, welches
seit einigen Monaten an Schwerhörigkeit, zeitweiligem Ohrensausen und einem Gefühl
von Druck und Völle im linken Ohr gelitten hatte. Das Trommelfell desselben er
schien an der Peripherie mässig getrübt, im Centrum fast normal durchscheinend,
der Hammergriff gering perspectivisch verkürzt, der Lichtkegel diffus verbreitert;
hinter dem Trommelfell erblickte man, fast die ganze untere Hälfte einnehmend, haar
feine dunkle Halbkreise und völlig geschlossene Ringe. Liess man die Kranke während
der Inspection den Valsalva’schen Versuch kräftig ausführen, so bemerkte man, ' vie
diese Figuren rasch aufwallten, theilweise verschwanden, theilweise eine andere Ge
stalt annahmen, jedesmal, sobald sie zur Ruhe gekommen, eine andere Anordnung
und Gestaltung darbietend. Demnach konnte es keinem Zweifel unterliegen, dass diese
Ringe der Ausdruck von Schleimbläschen waren, welche beim Einpressen von LuR
aufbrodelten, platzten, oder ihre Lage und Form veränderten. In dem zweiten F a ^
waren diese Erscheinungen wegen stärkerer Trommelfelltrübung weniger deutlich'
*) Krankh. d. Ohres. S. 92.
**) Beleuchtungsbild. d. Trommelfells. S. 129.

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