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die ausser an chronischem Rachenkatarrh an katarrhalischer Affection des Mittelohres
leiden, bei denen nachweisbar der Rachen der primär ergriffene Theil war. Insbe
sondere disponiren tuberculöse, scrophulöse, rhachitische, überha pt anaemische und
schwächliche Personen, deren Schleimhäute man als loci minoris resistentiae zu be
zeichnen pflegt, zur Erkrankung jener Theile. Und nicht minder häufig tritt dieselbe
zugleich mit acuten constitutionellen Leiden auf; denn nur zu oft hat man zu con-
statiren, das Masern, Scharlach, Pocken, Typhus, — Krankheiten, bei welchen ein
höherer oder geringerer Grad von Pharyngitis und Coryza sich entwickelt, — chronische
einfache Katarrhe des Mittelohres im Gefolge haben. Der acute Prozess in der Nasen-
Rachenschleimhaut läuft freilich meistens rasch ab; die durch ihn bedingte Erkrankung
der Paukenhöhle aber gelangt in vielen Fällen nicht in derselben Weise zur Lösung-
Es kommen hierbei verschiedene Punkte in Betracht: acut aufgetretene Entzündungen
enger Kanäle, z. B. der Urethra, des Thränenkanales, der Bronchien neigen sehr zu
Chronicität; das Mittelohr bietet noch besondere, die Ausgleichung einer einmal ein
getretenen Störung nicht unwesentlich erschwerende Verhältnisse dar. Das ostium
tympanicum der Tube, dessen Höhe nur 5 Mm. und Breite 3 Mm. misst, besitzt eine
dicke, gefässreiche Schleimhaut und einzelne starke traubenförmige Schleimdrüsen, so
dass eine verhältnissmässig unbedeutende Schwellung dieser Theile zum Verschluss
des engen Lumens genügt. Der isthmus tubae ist noch viel enger, die ihn auskleidende
Schleimhaut hingegen zarter, weniger schwellbar; dennoch kommt auch an dieser
Stelle ein Verschluss leicht zu Stande, besonders durch höher oben abgesonderte,
herunterfliessende Schleimmassen. Ueberdies liegt die Paukenhöhlenmündung der Tube
nicht wie man es von einer Abflussröhre erwarten sollte am tiefsten Theil der Pauke,
sondern nahe der Decke, wodurch eine. Retention von Schleim und abgestossene»
Zellen in der Höhle sehr begünstigt wird. Dass hieraus Störungen für den sehr em
pfindlichen Mechanismus des Ohres erwachsen können, ist einleuchtend bei einer
richtigen Würdigung der anatomischen und physiologischen Verhältnisse. Die Laby*
rinthseite des ovalen Fensters wird durch das Periost des Vorhofes geschlossen; das
Fussbrett des Steigbügels erfüllt die Oeffnung nicht völlig, sondern lässt einen schmale»
Saum der Membran rings um sich herum gänzlich frei. Schon geringe Mengen von reti-
nirtem Schleim werden, wenn sie auf diesen Saum niederschlagen und eindicken, di e
Schwingungsfähigkeit der ganzen überaus zarten Membran beeinträchtigen und selbst
eine völlige Verklebung zwischen Fussbrett und der dasselbe umgebenden Fenster
nische bewirken können. Einer noch grösseren Gefahr ist das runde Fenster ausg e '
setzt, welches bekanntlich in einer tiefen, zur Schleimretention sehr geeigneten Nische
liegt, weshalb man denn auch beim Mittelohrkatarrh sehr häufig Verdickung, Ver
kalkung der mernbrana secundaria, obturirende Pfropfe in ihrer Nische antrifft. Dies»
Veränderungen beschränken natürlich theils die Bewegungen des Steigbügels, theiD
die Oscillation des Labyrinthwassers. Wird ausserdem noch das Trommelfell mit de»

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