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wird wohl rein mechanisch zu Stande gebracht sein durch Dehnung und Zerrung von
den Scheidenwänden aus. Nach Entfernung des Tampons haben wir uns oftmals von
der starken Ausdehnung der Scheidenwände überzeugt ; dass durch diese ein Zug
ringsum auf den Muttermund ausgeübt worden, scheint natürlich.
Obwohl dann täglich zwei Mal Repositionsversuche gemacht werden, tritt doch
endlich die Reinversion nicht während eines solchen, sondern während der Tampon
in der Scheide liegt, ein, begleitet von leichten Leibschmerzen. Wenn während der
immer stärkeren Anschwellung des Tampons die Reinversion eingetreten wäre, so
hätten wir diesem die Reposition unmittelbar zugeschrieben; jetzt aber müssen
wir in unserm wie in- einigen der vorher angeführten Fälle eine Art Spontanrein- _
version annehmen. Der Uterus scheint durch eigene Contractionen, die wohl durch
den beständigen Reiz des Tampons erregt sein mögen, in seine normale Lage zurück
gekehrt zu sein. Wir wissen, dass, wenn die Uterushöhle in abnormer Weise ange
füllt und dem Inhalt der Ausweg durch den Muttermund verschlossen ist, dass dann
wahrscheinlich durch den Druck auf die Innenwand Reflexcontractionen in der Uterus
muskulatur ei’zeugt werden, die dem Weibe als wehenartige Schmerzen oft zum Be
wusstsein kommen. Haben wir nicht in unsern Fällen auch eine Reizung der Innen
fläche des Uterus und deutet nicht die Art der Schmerzen auf eine Contraction der
Uterusmuskulatur ?
Von einigen Autoren wird das Zustandekommen einer Inversion durch kräf-
tige Contractionen der Fundusmusculatur bei Schlaffheit der Cervixwandungzn ver
treten. Auf dieselbe Weise könnte vielleicht auch eine spontane Reinversion erfol*
gen; freilich steht der letzteren als Hinderniss die Bauchpresse entgegen, wel^ie der
spontanen Inversion geradezu förderlich sein kann, ja dieselbe in einzelnen Fällen
allein bewirkt haben soll. Dass auch bei unsrer P. der zufällig eintretende Meteo
rismus die Reinversion verzögert hat, geht aus der Krankengeschichte hervor.
Endlich der letzte wichtige Punkt unserer Krankengeschichte, den wir kurz
berühren möchten, ist die Nachbehandlung. In den anderen Krankengeschichten wird
dieselbe fast überall unberücksichtigt gelassen. Es heisst: „die Inversion war ver
schwunden, das Weib genesen, etwas anämisch, erholte sich rasch.“ Bei unsrer P a '
tientin geht es anders. Wir erlebten mehrere Zufälle, welche uns in der That uiu
das Leben unsrer Kranken besorgt machten. Die-leichten Schmerzen und die Druck
empfindlichkeit im Unterleibe unmittelbar und. in den folgenden Tagen nach d er
Reinversion mögen sich wohl auf das Zerreissen einiger Adhäsionen beziehen. Aber
die wiederholt eintretende Steigerung der Körpertemperatur, die Schüttelfröste, das
gestörte Allgemeinbefinden, welche sich auf keine andere Ursache zurückführen Hessen,
gaben vielleicht der Vermuthung Raum, dass die oft und mehrere Wochen hindurch
in . der linken Beckenhälfte gefühlte Resistenz mehr als ein blosses Blutextravasat sei,
dass es sich wohl um ein entzüdliches Exsudat handle. Bemerkenswerth ist uns

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