Doch darf man ihnen nicht das Verdienst absprechen, dass sie die operative Entfer
nung des Polypen, die einzig richtige Therapie, vor Augen und als Zweck haben —■
nur ihre Methode war eine weniger günstige und passende. — Die Extraction wurde
schon von Hippokrates geübt und ist wohl die älteste Methode. Abulcasem, wie die
Einen, Wilhelm von Salicet, wie die Andern wollen, wandte zum Zweck der Extraction
zuerst die Zange an. Man fasst den Polypen, dreht ihn mehrere Mal um seine Längs-
axe, torquirt auf solche Weise, indem man zugleich den Stiel durchtrennt, die Gefässe
und verhütet so grössere Blutungen. Aber diese Methode kann nur dort angewandt
werden, wo die Schleimhaut auf so festen und soliden Theilen liegt, so dass dieselben
der Traction einen Widerstand leisten können. Wollte inan diese Methode bei Mast
darmpolypen anwenden, würde man e 1 ne vielleicht tödtliche Peritonitis erzeugen, ohne
den Polypen von seiner Insertionsstelle abgetrennt zu haben. Die schon von Celsus
geübte oder doch gekannte Amputation hat Elias von Siebold der Vergessenheit, der
sie schon theilweis anheimgefallen war, entrissen, indem er sie besonders bei Uterus
polypen anwandte. Dann kam die Methode sehr in Aufnahme und wurde bei allen
Arten von Polypen angewandt. Auch bei Mastdarmpolypen ist sie ohne Schwierigkeit
auszuführen. Das eite und jucunde erfüllt sie, aber das tute? Curling, Cooper, Majo,
Guersant und noch Andere sahen nach dem einfachen Abschneiden mit dem Messer
oder Scheere, Blutungen auftreten, welche trotz schleuniger Hülfe lebensgefährlich
wurden. — Haben wir die Adstringentia von vorne herein verworfen, so können wir
über ihre gewissermassen Halbschwestern, die Oauterien, nicht so ohne Weiteres fort-
gehen. Beide, das Cauterium actuale wie potentiale wurden schon in 'der ältesten
Zeit zur Entfernung von Polypen angewandt; aber beide haben den grossen Fehler,
dass man ihre Wirkung nicht genau genug bestimmen und begrenzen kann. Deshalb
ist auch die Anwendung dieser Mittel bei Rectumpolypen nicht mehr gebräuchlich, man
hat hier immer die Nähe des Peritonäums und seine so gefährliche Verletzung zu fürchten-
Gegen die in der Neuzeit am häufigsten angewandte Ligatur ziehen Malgaigne, Velpeau
und Bourgeois, welche die Amputation oder Excision vorziehen, mit verschiedenen
Gründen zu Felde. Weil die Ligatur die centralgelegenen Arterien nicht so stark
comprimire wie die mehr peripher verlaufenden Venen, bewirke sie meist eine so
starke Anschwellung der Geschwulst, dass die betreffende Höhle vom Polypen ganz
ausgefüllt und so ihre Function gestört würde. Der Schmerz sei bei der Anwendung
der Ligatur ein viel heftiger als bei der Amputation; jedenfalls dauere er ja länger-
Die Execision sei eine viel einfachere Methode und endlich fürchten jene Autoren
die bei der Ligatur viel länger dauernde Eiterung. Schnürt man, wie dies von meh
reren Chirurgen auch bei den Mastdarmpolypen geschah, die Ligatur gleich so stark
zu, dass der Polyp sogleich abgetrennt ist, dann unterscheidet sich diese Methode
nicht von der vorigen. Geschieht aber die Zusammenschnürung langsam, in Absätzen,
so dass im Polypen selbst wegen Stase Brand eintritt, während an der Stelle, wo die

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