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die Schleimhautbuchten am Rande der Substanzverluste zu warzenähnlichen gestielten
polypösen Verlängerungen hervorgedrängt, wodurch der ursprünglich buchtige Rand
ein gefranztes, rundlich gezahntes Ansehen bekommt. Wenn sich in Fällen geringeren
Substanzverlustes das neue Gewebe so verdichtet, dass es die Schleimhautränder an
einander zieht und an die polypösen Schleimhautreste heran, so findet man als Narbe
eine Stelle, von der sich eine Menge dicht beisammen stehender warziger Schleim-
hautexcrescenzen erhebt, zwischen denen man auf die fibröse Basis, von der sie sich
erheben, hereinsieht. Aber nur in den selteneren Fällen möchte die Dyssenterie auf
diesem Wege zur Polyposis des Rectum führen. Gewiss viel häufiger bewirkt die
Dyssenterie — und ebenso können alle chemischen Entzündungen des Rectum
wirken unter gegebenen Umständen, — primär nur einen Reizzustand der
Schleimhaut und dieser wird die Ursache der polypösen Wucherung. Durch
partielle Hypertrophien der an das submueöse Gewebe anstossenden Schichte
der interstitiellen Schleimhaut, meint Luschka, sind die normalmässig in einer Ebene
liegenden Drüsen des Dickdarms erhoben und zu Polypen geworden und zwar sei es
hauptsächlich eine Vermehrung der dort liegenden Zellengruppen, welche allmälig mit
der bezüglichen Drüsengruppe gegen das Darmlumen vorgedrängt und schliesslich zu
einem Stiel ausgezogen worden seien. Darauf weise unter Anderem die gegen das
Centrum der Polypen mächtigere, daselbst gewissermassen einen Kern bildende, zellen-
reiche Zwischensubstanz, wie sie in fast allen Schleimdrüsenpolypen gefunden würde,
hin. Erst secundär sei es wohl zu einer Volumenzunahme der Drüsen und zu einem
knospenartigen Auswachsen ihrer Wandung gekommen, weil ja die nur erst als kleine
flache Hügelchen erscheinenden Anfänge der Polypen noch keine wesentlichen Form-
und Grössendifferenzen der Drüsen, wohl aber eine bedeutende Massenzunahme der
Zwischensubstanz zu erkennen geben. Die in unserm Falle gemachten Beobachtungen
sprechen ganz für diese Ansicht jenes verdienstvollen Forschers. Langwierige hart
näckige Diarrhöen werden in vielen der von uns gesammelten Fälle als den Symptomen
des Polypen vorher- und mit seinem weitern Wachsthum einhergehend bezeichnet, dass
wir wohl berechtigt sind, sie in ein ätiologisches Verhältnis zu den Mastdarmpolyp eD
zu stellen.
Symptomatologie. Da die Entwicklung dieser Polypen im Allgemeinen ziemlich
langsam vor sich geht, sie selber ganz gefühllos sind; da die durch mechanische Ver
hältnisse bedingten Beschwerden, so lange die Polypen klein sind, ja entweder
nicht vorhanden oder nur sehr gering sein können, auch die Lokalität der Unter
suchung, wenigstens für den Patienten selber, wenig zugänglich ist, so versteht mat 1
leicht, weshalb der Arzt meist erst in den spätem Stadien der Krankheit zu Hülfe g e '
rufen wird und wir von den ersten Symptomen wenig Genaues wissen. Ein unang L
nehmes Gefühl und Jucken im After, hartnäckige Diarrhöen, Symptome, welche oft
lange dem Erscheinen der Polypen vorhergehen, führen uns keineswegs zur Diagnose

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