wird begreiflich, wenn wir bedenken, dass 1828 blos die beiden Fälle von Schreger,
Lange und Howship bekannt waren. Aber Lane will unter 33 Fällen, die er beo
bachtete, 28 bei Erwachsenen und nur 5 bei Kindern gefunden haben. Sdllte da
nicht in dem einen oder andern Fall ein Irrthum in der Diagnose obgewaltet haben?
Am häufigsten werden nach Kronenberg Knaben befallen. Forget berechnet das Ver-
hältniss der Knaben zu den Mädchen wie 3 zu 1; wogegen Stoltz einen Einfluss des
Geschlechts ganz leugnet, wie es sich auch aus der Vergleichung der oben ange
führten Fälle ergiebt, indem von 54 Fällen, in denen eine Bestimmung des Ge
schlechtes sich findet, 28 männlichen und 26 weiblichen Geschlechtes sind.
Die Eigenschaften, welche dem ganzen genus Polyp zukommen, werden wir
natürlich auch bei dem Mastdarmpolypen wiederfinden. Wir verweisen deshalb auf
die obengegebene Auseinandersetzung. Es erübrigt demnach für eine Beschreibung
der Mastdarmpolypen für uns nur noch, die speciellen Eigenschaften zu constatiren,
welche den Mastdarmpolypen noch ausserdem, durch die besondere Struktur und Lo
kalität ihres Mutterbodens bedingt, zukommen. Wenn nun der Mastdarm einmal einen
grossen Reichthum an Gefässen und besonders venösen, dann eine bedeutende Lax
heit, sowohl der Schleimhaut, wie des submucösen Gewebes zeigt, so dürfen wir er
warten, beiden Eigenschaften auch bei den Polypen dieser Region zu begegnen. Und
in der That, verglichen mit den gleichen Neubildungen in andern Höhlen, sind die
Mastdarmpolypen rel. sehr gefässreich und schwammig. Daher die Ausdrücke tumeur
de nature erectile oder la tumeur etait gorgee de sang, wie wir sie Chassaignac für
diese Geschwülste gebrauchen sehen. Und Guersant, gestützt auf 50 Fälle eigener Be
obachtung, sagt: Quand on les disseque, on trouve un tissu mou, vasculaire, qui saigne
facilement et qui a quelques caracteres du tissu fongueux. Sehr klar und beweisend
spricht auch die Thatsache für den Gefässreichthum, dass in der Mehrzahl der bis
jetzt beobachteten Fälle von Mastdarmpolypen Hämorrhagien sowohl das erste und
bedeutendste Symptom waren, wie auch dasjenige, weiches die Patienten veranlasste,
wegen drohender Gefahr die Hülfe des Arztes zu suchen. Nur wenige Autoren,
unter ihnen Bourgeois, berichten, dass die von ihnen beobachteten Polype»
nicht gefässreich gewesen seien und Schütte (1. c.) sagt bei der Besprechung des
Stiels, dass derselbe keine grösseren Gefässe gezeigt habe, wenn auch der Körper in
tensiv roth gefärbt war. Ueber die Anordnung und den Verlauf der Gefässe lässt
sich im Allgemeinen nur das sagen, was Lee (Sammlung gekrönt. Preisschriften aus
dem Engl, herausgegeben Berlin 1847) zusammenfasst in die Worte: „Die Arterien
nehmen einen mehr centraien Verlauf, während die Venen sich mehr in den ober
flächlichen Lagen verbreiten.“ Nur Wagner (1. c.) giebt genauere Angaben. In den
von ihm beobachteten Fällen will er gefunden haben, dass ungefähr ein Viertheil der
Grundsubstanz Gefässe von theils capillärer, theils arterieller und venöser Natur bil
deten. Sie gingen von der Basis, wo sie sehr weit waren, reichliche ^este abgebend,

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