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der letzten eingreifenden Operation, der fortbestehenden Durchfälle und der ebenfalls
andauernden Schmerzen in der Ileolumbalgegend, hebt sich die Ernährung der Patientin
stetig. 25/3. Die Schmerzen bei. Stuhlgang in der Ileolumbalgegend sind fast ganz
geschwunden. Das Allgemeinbefinden ist gut. 3/4. Patientin ist ohne Schmerzen.
Auch bestehen keine Durchfälle mehr, sie hat nur noch täglich 3 — 4 breiige Stuhl
gänge. Die Kräfte nehmen zu. die Gesichtsfarbe wird blühend. Man kann das Mädchen
als von dem Polypen geheilt betrachten, wenn auch noch die Menses nicht wieder
sich eingestellt haben. Es ist dies nur die Wirkung eines Folgezustandes des Polypen,
der auch jetzt noch nach Hebung des Grundübels zum Theil fortbesteht, der Anämie
und allgemeinen Schwächung der Constitution
Versuchen wir nun in der Kürze die oben angeführte Casuistik unter allge
meine Gesichtspunkte zusammenzufassen, aus dem gesammelten Material ein möglichst
einfaches und klares Facit zu ziehen.
Im Allgemeinen sind die Mastdarmpolypen selten. Dr. Kronenberg sah während
einer 19jährigen Praxis, wo er jährlich 6000 Kinder behandelte, nur viermal Mast-
darmpolypen. Dass wir aus einer ziemlich bedeutenden Litteratur kaum mehr als
1^0 Fälle sammeln konnten, spricht auch nicht grade für die Häufigkeit. Doch könnte
man diesem statischen Schluss Ungenauigkeit vorwerfen, da uns ja einmal nur ein
Heil der medicinischen Litteratur zu Gebote stand, dann auch gewiss ein grosser
Theil der Fälle von Mastdarmpolypen wegen falscher Diagnose nicht zur Cognition
für die Wissenschaft gelangte. Aber abgesehen davon, dass die Krankheit oft der
Aufmerksamkeit der Aerzte entgehen mag, geben die Angaben solcher Autoren, welche
ihr Augenmerk grade auf diesen Punkt richteten, so Stoltz und Dotzauer (I. C.), das
gleiche Resultat, Viel häufiger als bei Erwachsenen sind die Mastdarmpolypen bei
hen Kindern, eine Thatsache, für die keiner der Beobachter eine Erklärung zu geben
"ersucht. Nur Stoltz meint, dass sie wohl in demselben Umstande ihren Grund haben,
"he die Häufigkeit des Mastdarmvorfalls bei Kindern: „in dem so laxen Bau der Mast-
harmschleimhaut,“ Nach Forget kommt diese Krankheit besonders im Alter von
h—'lh, nach Stoltz von 1—-12 Jahren vor. Joelson giebt an, dass von 120 Fällen
102 Mal der Polyp bei Kindern von 1—14 Jahren vorgekommen sei, ja je jünger
hie Kinder, um desto häufiger würden sie von dieser Krankheit afficirt, von 37, deren
Alter in Erfahrung gebracht werden konnte, waren nur 8, (4 Knaben und 4 Mädchen),
10—14 Jahr alt; 12: 5—10 Jahr; 16: 1—5 Jahr und eins 10 Monate. Unsere Sta-
Ostik hat annähernd dieselben Resultate. Nach dom 15. Jahre sind die Polypen un
gefähr 15 mal seltener als vorher. Darnach muss sowohl die Angabe von Schütte,
dass die Mastdarmpolypen nur bei Kindern Vorkommen, wie die von Ullmann (Encyclop.
Worte,rb, d. med. Wissensch., herausgeb. v. Gräfe, Hufeland, Lintz, Rudolphi u. Siebold.
Berlin 1828, Voll, pag. 634) und Lane (1. c.), dass dieselben viel häufiger bei Er
wachsenen als bei Kindern gefunden würden, refüsirt werden. Die Ansicht Ullmanns
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