Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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Bei Weitem die Mehrzahl zeigt sich deutlich gestielt. Wie die Stiele von der varia 
belsten Länge und Dicke sind, so zeigt auch das freie Ende die grössten Verschieden 
beiten in Grösse und Form. Meist ist es kolbenförmig angeschwollen, von Linsen-bis 
Kirschengrösse, oft eingekerbt oder in mehrere Läppchen zerfallen. Ein ander Mal 
sitzen viel keulenförmige Polypen an einer schmalen Basis; dann wieder findet man 
mehr blumenkohlartige Wucherungen auf einem breiten Grunde aufsitzend. Auch 
baumförmige Verästelung findet sich. Das freie Ende ist meist intensiv geröthet, 
während der Stiel oder die Basis mehr blass ist. Bei der Betrachtung mit der Lupe 
findet man auf den einzelnen Polypen dicht an einander kleine hellere Punkte, welche 
fier optische Ausdruck für ebenso viele Mündungen von Schlauchdrüsen sind, was man 
besonders deutlich sieht, wenn man einen kleinen mit Essigsäure befeuchteten Polypen 
bei durchfallendem Licht und massiger Vergrösserung mit dem Mikroskop betrachtet. 
Auch an der Innenfläche der Rectumschleimhaut findet man, soweit man es mit 
dem Finger bestreichen kann, ganz dieselben Wucherungen. — Die mikroskopische 
Untersuchung eines nach Unterbindung des Stiels mit der Scheere abgetrennten Po 
lypen gab das charakteristische Bild eines Adenoids, so dass man die Geschwulst als 
»traubenförmigen oder multiplen Drüsenpolypen“ ansprechen kann. — Die Oberfläche 
der Polypen war von einem schönen Cylinderepithel bedeckt, dessen Zellen grösser, 
besonders länger als die des gewöhnlichen Mastdarmepithels waren; auch waren sie 
gegen Wasser weniger empfindlich als die normalen. Das Parenchym bestand in weit- 
aus überwiegendem Masse aus Drüsen. Ausserordentlich dicht gedrängt, so dass 
Schlauch an Schlauch stand, bildeten sie in den meisten von mir untersuchten Exem 
plaren um die ganze Peripherie des Polypen einen Saum, der zwei Drittel und -mehr 
des ganzen Durchmessers des Polypen, wenn man ihn auf dem Durchschnitt betrach 
tete, einnahm. Dieses Verhältniss ist auf der anhängenden Lithographie an den mit 
a ? a bezeichneten Stellen dargestellt. Man sieht deutlich, wie sich dieses Drüsenstra- 
tüin des Polypen aus der mit „b “ bezeichneten Drüsenschicht der angrenzenden nor 
malen Rectumschleimhaut durch allmälige, stufenweis fortschreitende Hypertrophie 
(bei c. haben die Schläuche schon bedeutend im Längen- und Dickendurchmesser 
2u genoinrnen, bewahren aber noch die ursprüngliche Form und Richtung des einfachen 
Lieber kühnschen Drüsenschlauches) heraus entwickelt. Bei dem immer mehr zunehmenden 
Wachsthum verschwindet dann die regelmässige pallisadenartige Anordnung. Indem die blin- 
e *iEnden einiger Drüsen kolben artig anschwellen, müssen sie nothwendig die neben ihnen 
gelagerten Schläuche aus ihrer normal zur Schleimhaut senkrechten Richtung heraus- 
U^eiben. Denken wir uns diese Verhältnisse an verschiedenen Stellen eines Polypen 
verschiedenem Masse bei seiner Entstehung wirksam, so haben wir eine Erklärung 
^ür die eigentümliche Form und Lagerung der Drüsenschläuche, wie wir sie bei a. a. 
üden. Wir können uns diese Richtung ändernden Einflüsse natürlich nicht als blos 
m ein(!r Lbene wirksam denken, sie werden sich nach allen Dimensionen des Raumes
	        

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