Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

22 
mit bedeutendem Blutverlust verbunden, bis sie vor 3 /* Jahren cessirte. —• Status 
praesens vom 9. Januar 1868. Pat., von kleinem schmächtigen Körperbau, zeigt ein 
blasses, anämisches Aussehen und die Körperzustände, welche man unter dem Begriff 
„scrphulöser Habitus“ zusammenfassfr. Durch mittelst Clysmata hervorgerufene De- 
fäcation ist die polypöse Wucherung aus dem Anus herausgedrängt und bietet fol 
gende Verhältnisse. Sie füllt die Kräria ani unmittelbar vom Rand der hintern Com- 
missur der grossen Schamlefzen 15 ,Cm. nach hinten so vollkommen aus, dass sie 
sich mit einer Breite von 8 Cm. auf beide Hinterbacken legt, im Grossen und Ganzen 
eine länglich ovale Geschwulst darstellend. Ihr Dickendurchmesser, senkrecht von 
ihrem höchsten Punkt bis zu einer durch den After gelegten Ebene gemessen, mag 
5 Cm. betragen. Ihre Oberfläche entspricht der Hälfte eines Elipsoids. Diese Con- 
touren umschreiben eine Geschwulst, die aus unendlich vielen kleineren und müsse- 
ren polypenartigen Wucherungen zusammengesetzt ist, welche durch die Formation 
der Lokalität so aneinander gedrängt sitzen, wie die Beeren an einer Weintraube. 
Der breite Stiel dieser Geschwulst kommt nämlich aus der Aftermündung heraus, 
doch gelingt es nicht, an ihrer Peripherie, zwischen dem Stiel und dem Anusrand, 
in das Rectum hineinzugelangen, sondern es erscheint dem tastenden Finger, als setze 
sich die Basis der Geschwulst unmittelbar in die Schleimhaut der untern Analportion 
fort. Die meisten der die Geschwulst zusammensetzenden Polypen haben eine röth- 
liche Farbe, einige zeigen eine schon mit dem blossen Auge erkennbare Vaskulari 
sation. Die Polypen, welche in der Nähe der Scheide gruppirt sind, also bei der 
Rückenlage der Patientin (in welcher sie untersucht wurde) die obere Partie der 
Geschwulst bilden, zeigen eine mehr dunkel-kirschrothe Färbung, während die Farbe 
der andern mehr ins Gelb-röthliche spielt. Manche sind stellenweis gleichmässig 
schiefer- oder aschgrau gefärbt und mit kleinen schwarzen Pigmentflecken versehen. 
Auf vielen haftet eine fasrige graugelbe Detritusmasse, welche theils durch Wasser, 
theils leicht mit der Pincette sich entfernen lässt. Gleichmässig überzogen werden 
alle von einer klaren visciden Flüssigkeit, welche ziemlich reichlich von der Geschwulst 
abtröpfelt. Theilweise scheint aber diese flüssige Absonderung aus einer in der Mitte 
der Geschwulst belindlichen, im Ganzen von oben nach unten verlaufenden unregel 
mässigen Spalte zu kommen, die von den hier auseinander weichenden Polypen ge* 
bildet wird. Durch sie gelangt der untersuchende Finger mit so grosser Leichtigkeit 
ins Rectum, dass man eine Erschlaffung des Sphinkters annehmen muss. Die Consi- 
stenz der Polypen ist eine weiche, fast gallertige, indem sie sichleicht comprimiren 
lassen. Doch ist dass Gefühl bei der Compression nicht, wie das bei den Hämor 
rhoidalknoten ; die Masse entweicht nicht unter dem Fingerdruck, sondern wird wirk 
lich in sich zusammengedrückt. Die Grösse und Form ist ausserordentlich verschie 
den. Während einzelne als kaum stecknadelknopfgrosse, rundliche, mit breiter Basis 
aufsitzende, fast durchscheinende Bläschen erscheinen, messen andere mehrere Cm-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.