Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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Bon auftraten. Er soll mittelst in Oel getauchter Schwämme die Geschwulst reponirt 
haben. Der dringenden Vorstellung des Herr Prof. Bartels als Director der Poliklinik, 
die Tochter zur operativen Beseitigung des Leidens im Hospital aufnehmen zu lassen, 
wurde von den Eltern kein Gehör gegeben. Von diesem Zeitpunkt an ist Patientin 
mit verschiedenen längeren Unterbrechungen, wenn die Symptome gemildert waren, 
Poliklinisch behandelt worden; sie bekam Eisen-Leberthran und Klystiere mit Zusatz von 
Amylum, Eichenrinde oder Arg. nitr.; ausserdem wurden passende nahrhafte Speisen, 
hauptsächlich Suppen und Fleischkost, gegeben, soweit es die Mittel der Eltern und 
die Unterstützung des Frauenvereins ermöglichten. Aber der Durchfall bestand fort 
trotz der angewandten Mittel, nur im Sommer mässigte er sich jeweils etwas. Die 
hei jeder Defäcation, obgleich die Patientin sich bemühte, sie mit den Fingern zurück 
zuhalten, aus dem After hervortretende Geschwulst, ward allrnälich immer grösser, 
Wle Patientin meint, durch das Drängen, welches die Geschwulst, so lange sie im 
After lag,' veranlasste. — Unter diesen Symptome verlief die Krankheit während der 
Nächsten sieben Jahre. Dabei konnte Patientin, wenn auch mit häufigen Unterbre 
chungen, die Schule besuchen, war nur zeitweise wegen heftiger Diarrhoen genöthigt, 
das Bett zu hüten. Blutig gefärbt soll während dieser Zeit der Stuhlgang nie gewe- 
Sfen sein, auch beim Prolaps der Geschwulst traten keine Blutungen ein. Aber in 
den letzten 2—3 Jahren waren die Durchfälle wieder blutig. Incontinentia alvi kam 
hinzu und zwar so lange Patientin herumging, während sich dieser Zustand, wenn 
Sle das Bett hütete, besserte. Daher ist die Fredersdorf seit jener Zeit meist bett- 
lägrig gewesen. Der Prolaps des Polypen erfolgte mittlerweile noch in derselben 
Weise wie früher, nur dass jetzt, auch ohne dass Patientin drängte, schon bei hasti- 
8er Bewegung, Bücken, Heben eines Gegenstands u. s. w. die Geschwulst austrat, ja 
öfter auch des Nachts im Schlafe. Dazu kam noch, dass während Patientin früher 
hei der Defäcation Schmerzen nur am Anusrand empfand, nun auch Ziehen in der 
linken Ingunialgegend und dem Schamberg, sowie das Gefühl eines schweren Körpers 
ünd ein gleichrnässiges mit wenig Schmerz verbundenes Druckgefühl links vom Nabel 
his hinauf ins linke Hypochondrium verspürt wurde. Ja auch beim ruhigen Liegen 
lTn Bett, ohne dass der Polyp ausgetreten war, will das Mädchen diese eigenthüm- 
lichen Sensationen gehabt haben, zeitweise begleitet von einem nicht durch Nahrungs 
mangel erklärbaren Hungergefühl. Das Allgemeinbefinden war während dieser Zeit 
natürlich wegen der temporären Durchfälle ein wechselnd in verschiedenem Grade 
gestörtes, doch will Patientin einen guten Appetit gehabt haben. Auf die Frage, ob 
Sle e ‘nige Speisen weniger gut vertragen habe, meint sie, sie habe alles mitgegessen, 
Was es z u Hause gegeben, aber Suppe und Fleisch vorgezogen. Von frühester Kind- 
l'eit an in der Entwicklung zurück, behauptet Patientin in den letzten 2 Jahren noch 
besonders an Kräften abgenommen zu haben. Im 15 Jahr zuerst menstruirt, kehrte 
die Regel in vierwöchentlichen Perioden wieder, häufig bis zu 8 Tagen anhaltend und
	        

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