Ueber die Polypen des Mastdarms.
Unter den Neubildungen, denen wir auf den Schleimhäuten begegnen, nehmen
sowohl in Betreff der Häufigkeit, als der praktischen Bedeutung nach den Krebsen
die Polypen die erste Stelle ein. Dieser eigenthümlichen Bezeichnung hat man im
Lauf der Zeit eine von der ursprünglichen nicht unwesentlich verschiedene Bedeutung
untergelegt und als Polypen eine Reihe von Geschwülsten bezeichnet, welche nur zum
Lheil analog gebildet sind. Ursprünglich bezog sich der Ausdruck nur auf die Form
dor Neubildung und wurde nur auf solche Tumoren angewandt, welche mit mehreren
^nheftungsstellen (Füssen) am Mutterboden befestigt waren. Aber schon Galen ver-
Less diesen, ursprünglichen Standpunkt und de'finirte den Polypen als einen „tumorem
ca rnosum narium, cajus substantia similis sit animali, quod nunc octopus appellatur.“
Uelsus bloss, Compilator wie er war, behielt diese Definition ohne Kritik bei. Auch
Laulus von Aegina giebt sie wieder, lügt aber corrigirend hinzu: „polypus narium
oinnes in partes radices rnittit, quibus respiratio et vox supprimuntur, quem ad inoduin
polypi
maris brachiis suis nautas arripiunt.“ Er kehrte also zur ursprünglichen Be
deutung zurück und scheint die jetzt als Nasenrachenpolyp bezeichnete Neubildung
Liv den wahren Polypen angesehen zu haben. Mit ihm stimmt Fabricius ab Aqua-
pendente überein. Später verlor sich diese wortgemässe Auffassung des Ausdrucks
Wieder und stellte sich schliesslich der Begriff in der pathologischen Nomenklatur so
dass man jetzt mit ihm eine gutartige Neubildung auf einer Schleimhaut bezeichnet,
Welche meist mit mehr weniger dünnem Stiel, selten mit breiter Basis aufsitzt, gleich
artig, welches der Schleimhautstrata ihr als Mutterboden dient. Dabei urgirt man
Jedoch, dass die Neubildung als eine benigne excessiv nur auf die freie Fläche wuchert,
das Gewebe, dem sie entsprungen, jedoch intact lässt. — Nur durch die äussere Form
u ad den ziemlich schwierigen und unsichern Begriff der Benignität begrenzt, nimmt
die Bezeichnung Polyp über die Art der constituirenden Gewebe Nichts vorweg, so
dass man sich genöthigt sah, zur bessern Uebersicht das Genus Polyp weiter zu
differenziren.

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