17
Erklärung der einen oder andern Erscheinung zu finden, werden wir uns nach etwai
gen gleichartigen Fällen in der Literatur umzusehen haben, wenn wir auch finden
Werden, dass das Wesentlichste bei unserm Falle vereinzelt dasteht.
Um zunächst mit der auffallenden Bildung der Oberschenkelcondylen zu be
ginnen, so finde ich in keinem der ausgezeichneten Werke über angeborene Missbil
dungen, von v. Ammon, Vrolik, Froriep, Otto, Förster eine ähnliche Bildung beschrie
ben oder abgebildet; nur ein Fall eines sympus monopus ist bei Vrolik*) mitgetheilt,
der rein äusserlich eine entfernte Aehnlichkeit, wenigstens in der Breite der Condylen
des Oberschenkens aufweist, indessen fehlt die wunderbare hoch hinaufgehende Spal
tung, wie denn überhaupt jener Fall dem unsern kaum entsprechend anzuführen ist,
weil in jenen breiten Condylen eigenlich zwei Oberschenkel repräsentirt werden.
Was nun den Knochendefect des Unterschenkels selbst anbetrifft, so war die
Ausbeute in der Literatur über Fälle von Defeeten der Knochen der untern Extre
mität nicht so gering; doch betrafen diese Mangel der fibula oder beider Knochen
mit oder ohne Mangel der patella und des Fusses oder mangelhafter Ausbildung des
letzteren *). — Bei dem gänzlichen Mangel aber der Aufzeichnungen über angeborne
Tibiadefecta, ist es hier wohl -am Ort zu fragen, ob in unserm Falle in der That
auch ein Tibiadefect, wie wir bisher in der anatomischen Beschreibung angenommen
haben, vorliege und nicht etwa der häufigere Fall eines Fibuladefectes. Eine dritte
Möglichkeit ist ferner hierbei in Betracht zu ziehen, nämlich eine etwa bestehende
Verschmelzung beider Knochen des Unterschenkels.
Zur Entscheidung dieser Frage haben wir nur die in der Beschreibung bereits
erwähnten Momente hervorzuheben: Für fibula spricht schon die Einlenkung am
äussern Condylus des Oberschenkels, und an der äussern Seite des Fusses. Vorzüg
lich aber spricht die Beschaffenheit des Knochens für fibula. Einmal die Stärke des
Knochens, welche nach den oben mitgetheilten Maassen fast genau denjenigen einer
normalen fibula aus demselben Alter entspricht. Läge eine tibia oder gar eine Ver
schmelzung beider Knochen vor, so würde man jedenfalls grössere Maasse erwarten
können. Sodann heben wir die Kanten hervor, die man allerdings auch bei der tibia
findet. Während bei einer tibia aber jene Kanten fast genau senkrecht von oben
nach unten gehen und immer an derselben Seite bleiben würden, machen die Kanten
ficr fibula, indem sie nach unten gehen, allemal eine Drehung und wenden, wie oben
angeführt, und wie aus den Zeichnungen (Fig. 4.) erhellt, sich mehr oder weniger
einer andern Seite zu. Und dies Verhältniss findet sich bei der normalen fibula
ebenfalls meistens deutlich angegeben. Entscheidend für die Frage ist aber die Be
schaffenheit der beiden Epiphysen mit ihren Gelenkflächen, besonders der unteren
Wenn auch die obere in der nach innen abfallenden F orm die normale der fibula.
*) Vrolik. 1. c. Taf. 65. (Förster Taf. X. 19.)
3

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.