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getrocknet. Da die Menge desselben aber zu gering war, um ihn vom Filter entfernen
zu können, musste auf andere Weise versucht werden, die Reactionen auf Morphium
zu erhalten.
Das Filter Avurde getheilt und die eine Hälfte mit Alcohol extrahirt. Auf
einem Uhrglase verdunstet, hinterliess der Alcohol einen weissen Anflug, welcher bei
löOfacher VergrÖsserung sich aus Conglomeraten kleiner vierseitiger Krystalle zusam
mengesetzt zeigte. Auf Platinblech erhitzt, verflüchtigte sich der Niederschlag voll
ständig.
Jetzt wurde die zweite Hälfte des Filters einer Prüfung auf Morphium unter
zogen. Ein Tropfen Salpetersäure, auf einen Theil'des Filters geträufelt, verursachte
e me so schwache gelbröthliche Färbung, dass die Reaction nicht als genügend ange
sehen werden konnte.
Die Probe mit Eisenchlorid lieferte ein besseres Resultat. Ein Tropfen der
Uisenchloridlösung auf einen Theil des Filters geträufelt, färbte dasselbe zunächst
§ e lbj die Ränder des ausgelaufenen Tropfen begannen sich dann sogleich blau zu fär-
bßn, so dass der gelbe Fleck von einem blauen Ringe umgeben war.
Somit schien mir die Anwesenheit von Morphium genügend erwiesen zu sein.
Um jedoch nichts zu unterlassen, was zur Sicherung meiner Analyse dienen konnte;
untersuchte ich ebenfalls auf andere Alkaloide, besonders N arcotin
Ein Theil des vorhin durch Aetzkali im Ueberschuss erzeugten Niederschlages
w urde in verdünnter Chlorwasserstoffsäure gelöst und dann wieder mit doppelkohlen
saurem Kali gefällt. Der so erhaltene Niederschlag konnte nur Narcotin, Chinin und
Cinchonin enthalten; Strychnin, Brucin und Yeratrin werden durch doppelkohlensaure
Alkalien nur aus neutralen Lösungen gefällt. Bei sauren Lösungen verhindert die
gebildete freie Kohlensäure die Ausscheidung der genannten Alkaloide. Auch die
Weitere Prüfung zeigte, dass Strychnin, Brucin und Veratrin nicht vorhanden. Da
Chinin und Cinchonin ebenfalls nicht zugegen, so wurde nur näher auf Narcotin
geprüft.
Ein Theil des den Niederschlag enthaltenden Liquidums wurde mit Aether
geschüttelt und etwas Ammoniak hinzugesetzt. Der Niederschlag wurde nur theil-
Weise gelöst. Die ätherische Lösung wurde nun mit etwas Wasser versetzt und der
Aether verdampft, wobei darauf geachtet wurde, dass die Flüssigkeit stets etwas
a mmoniakalisch blieb. Nach Verdunstung des Aethers schied sich ein flockiger Nie
derschlag aus, welcher schon nach seinem bisherigen Verhalten nur aus Narcotin
estehen konnte. Erhitzt verflüchtigte er sich vollständig. Wegen der allzu geringen
enge war es nicht möglich, die anderen Reactionen anzustellen.
Die Analyse des Magen- und Darminhaltes der zweiten Leiche hatte dasselbe
esultat; nur war die Reaction mit Eisenchlorid weniger intensiv, doch deutlich genug,
Uln sie als charakteristisch für die Anwesenheit von Morphium zu erkennen.

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