■Versuch von Orfila sein. Orfila vermischte eine Lösung von Drachmen morphium
acetic um in zwei Pfund Wasser mit Wassersuppe, Fleischbrühe, Fett und mehreren
Stücken eines Darmkanals und setzte diese Mischung in einem offenen Gefässe der
Luft aus. Nach 14 Monaten und 10 Tagen erhielt man die sichersten Reactionen
auU Morphium.
Da.ss auch nach seiner Resorption ins Blut das Morphium nicht verändert
wird, geht daraus hervor, dass es unverändert mit dem Urin abgeschieden wird.
Alibert erwähnt in den nouveaux elements de therapeutique eines Falles, in
welchem eine 64jährige Nonne nach länger als 24 Stunden nach dem Genuss des
Opiums starb. Er fand noch die opiumhaltige Flüssigkeit im Magen.
Christison erzählt Fälle, in welchen er nach 4 resp. 5 Stunden das Opium im
Mageninhalt nur durch den Geruch und Geschmack, im letzteren Falle durch die
unvollkommene Wirkung der Salpetersäure entdecken konnte. Christison meint, dass
bisweilen schon nach einigen Stunden auch bei so grossen Mengen von Opium, dass
sie tödtlich wurden,* das Gift aus dem Magen verschwunden sein könne. Er glaubt,
dass es sowohl so rasch resorbirt, als auch durch den Verdauungssaft zersetzt werden
könne. Dass aber das Morphium der Einwirkung der Verdauung und der Gährung
lange Zeit widerstehen könne, haben wir schon vorher gesehen. Wenn Christison
aber, weil es ihm in einigen Fällen nicht gelang, nachdem das Gift einige Stunden
im Magen verweilt, Reactionen auf Opium zu erhalten, schliesst, das Gift müsse gänz
lich resorbirt sein, so könnte man dieser Ansicht doch die Mangelhaftigkeit der
frühem Untersuchungsmethoden entgegenhalten. Es sind doch zu sichere Fälle vor
banden, in welchem, nachdem der Tod erst nach 8—10 Stunden eingetreten war,
das Opium noch in solcher Menge im Magen vorhanden war, dass Thiere, denen
man vom Mageninhalt gab, komatös wurden und bald starben. Fälle solcher Art
sind mitgetheilt von Wildberg und Meyer, sowie in Knapp’s und Hecker’s Jahr
büchern.
Wenn diesje Fälle auch nicht geradezu gegen Christison’s Ansicht beweisend
sind, so sind sie doch jedenfalls beweisend genug, um den Gerichtsarzt in fraglichen
Fällen aufzufordern, auch noch nach längerer Zeit die Untersuchung des Mageninhalts
vorzunehmen. <
Zur Auffindung des Opiums im Mageninhalt sind verschiedene Methoden vor
geschlagen, in neuerer Zeit namentlich die Trennung der Alkaloide von den übrigen
organischen Substanzen auf endosmotischem Wege. Die meisten Chemiker haben sieh
bemüht, in ihren Untersuchungen die Reaction aut Morphium zu erhalten,' andere
dagegen gaben der Auffindung der Meconsäure den Vorzug.
Als mir im Winter 1863—64 die Untersuchung des Mageninhalts zweier Le»'
chen auf anorganische und organische Gifte aufgetragen wurde, hatte ich, nachdem
die Untersuchung auf anorganische Gifte negativ ausgefallen war, mich vorerst fm*

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