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Worden) eine unbesiegbare Müdigkeit befallen hatte. Er befand sich im Bette und
verfiel, sich selbst überlassen, sofort in tiefen Schlaf. Es gelang jedoch leicht, ihn
durch lautes Anrufen zu erwecken; er vermochte sich dann völlig zu sammeln und
erzählte auch den ganzen Vorgang mit allen seinen Einzelheiten im Zusammenhang,
verfiel aber sofort wieder in Schlaf, sobald man ihn sich selbst überliess. Die Pu
pillen waren bis zum äussersten Grade verengt, die Respiration regelmässig, langsam
und schnarchend; der Puls gleichfalls regelmässig und langsam. Das Gesicht bleich.
Auffallend war die gesteigerte Reflexerregbarkeit; berührte man ihn irgendwo oder
Zo g man die Bettdecke zurück, so zuckte der ganze Körper zusammen. Durch ein
Erneticum wurde mehrmaliges, heftiges Erbrechen erregt, wodurch grosse Massen von
Flüssigkeit entleert wurden, welche leider nicht zur chemischen Untersuchung kamen.
Grössere Mengen starken Kaffee’s, welche dem Patienten eingeflösst, wurden gleich
falls wieder ausgebrochen.
Eine hypodermatische Injection von ?V Gran atropin. sulf., nach einstündigem
Zwischenraum wiederholt, bewirkte zwar eine beträchtliche Erweiterung der Pupille,
änderte aber sonst an dem ganzen Zustande des Kranken nichts. Um 1 Uhr in der
Flacht war es nicht mehr möglich, ihn im Bette wach zu erhalten; er wurde noth-
^ürftig angekleidet im Zimmer herumgeführt und sprach noch bis gegen 2 Uhr ziem
lich verständig, wenn-man ihn anredete. Dann aber wurde es unmöglich, den Kran
ken länger auf den Beinen zu halten. Es war mittlerweile ein heisses Bad herge-
ri chtet, in welches er gesetzt und immer wieder mit kaltem Wasser übergossen wurde.
Anfangs traten auch jetzt noch heftige Reflexbewegungen auf, bald aber schwächer,
hlieben sodann ganz aus. Es wurde unmöglich, den Kranken zu ermuntern. Um
4 Uhr Morgens verschied er.
Es waren also in diesem Falle volle 4 Stunden vergangen, bevor das im Ma-
befindliche Gift zu deutlicher Wirkung gelangte. Dabei muss aber bemerkt
Werden, dass der V erstorbene seit langer Zeit an dyspeptischen Beschwerden, wahr-
scheinlich Folge eines chronischen Magenkatarrhs, gelitten hatte und mit einer deut-
l* c h nachweisbaren Gastrectasie behaftet war.
Zahlreiche Versuche, die man über die Zersetzbarkeit des Morphiums durch
Fäulniss und Gährung angestellt hat, ergaben, dass noch nach einem Jahre das Mor
phium unverändert nachgewiesen werden konnte.
Merk liess Opium 8—20 Tage lang mit thierischen und vegetabilischen Sub
stanzen in Berührung und erhielt dann die Reactionen auf Opium mit grosser Be-
s Ginmtheit.
Laroque und Thibierge lösten Morphium in Rothwein und Messen die lose
Erschlossene Flasche ein Jahr lang liegen. Sie erhielten alsdann noch deutliche
Reactionen, krystallinisches Morphium vermochten sie jedoch nicht zu gewinnen.
Am beweisendsten für die geringe Zersetzbarkeit des Morphiums dürfte der

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