IJa ich vor längerer Zeit Gelegenheit hatte, den Magen- und Darminhalt von zwei
Wuthmasslich an Vergiftungsselbstmord gestorbenen Damen zu untersuchen, so schien
es mir, da es mir in beiden Fällen gelang, Morphium nachzuweisen, nicht ohne
Interesse, das Resultat und die Methode meiner Untersuchungen zu veröffentlichen.
Leider stand mir weder das Blut noch der Urin für die Analyse zu Gebote. Ebenso
Wenig war in Erfahrung zu bringen, wie lange Zeit vor dem Tode das Gift genossen
War. Beide Damen waren in besinnungslosem Zustand im Freien gefunden worden
ünd während die ältere Dame schon nach zwei Stunden starb, blieb die jüngere im
Ganzen über zehn Stunden in ärztlicher Behandlung. Diesem Umstande dürfte es
auch zuzuschreiben sein, dass die Reactionen bei der später Gestorbenen weniger
deutlich ausfielen. Dass aber nach zehn Stunden überhaupt noch Spuren genossenen
Opiums im Darmkanal enthalten sein konnten, ist schon häufiger beobachtet. Von
Einfluss ist in solchen Fällen immer, in welcher Verdünnung und in welcher Dosis
das Gift genommen ist, sowie ob etwa als Gegenmittel genommenes Oel die Resorp
tion des Giftes verlangsamt hat. Folgender von Orfila veröffentlichte Fall, den ich
Eier im Auszug mittheile, dürfte hierfür als Beleg dienen.
Alexander B. aus Marseille, 24 Jahr alt, nahm, um seinem Leben ein Ende zu
Wachen, um 12 Uhr Mittags 55 Gran Morphium aceticum in einer Unze Wasser und
e bensoviel Gummilösung.
Der Principal des B. brachte diesem schon nach einigen Minuten 2 Gran
Ereehweinstein in einer Unze Wasser und einige Minuten später noch zwei Esslöffel
voll Olivenöl bei, ' ohne dass Erbrechen eintrat. B., der bis jetzt ausser einigem
Schwindel nichts gespürt hatte, trank jetzt mit einem Freunde in einem Kaffeehause
eine Flasche Bier. Nach einer Stunde spürte er Schwindel, Taubheit in den Extre
mitäten und Müdigkeit. Um 2 Uhr wurde er ins Hospital gebracht und nachdem
ein Aderlass gemacht, bekam er in zwei Dosen 3 Gran Brechweinstein und 24 Gran
1*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.