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Therapeutisch sprechen dafür der Nutzen, den die Senfteige unläugbar m
vielen Fällen bei Zögerung des Ausbruchs acuter exanthematischer Infectionskrank-
heiten, bei tiefen Ohnmächten, Asphyxien, der Cholera und andern Zufällen geleistet
haben’ namentlich auch zur Retablirung der Localerscheinungen eines Podagraanfalls,
unterdrückter Fusssehweisse, angeblich auch zur Wiederherbeiführung eines plötzlich
sistirten Monatsflusses. In den letzteren Fällen darf aber neben der Allgemeinwirkung
sicherlich auch die gleichzeitige Localwirkung als Factor des Erfolges mit in Anschlag
gebracht werden. ^
Mag immerhin die auf reflectorisckem Wege erfolgende, gemeinhin als revu-
sorisch beiTeichnete Wirkung der Senfteige in einzelnen der soeben angeführten Fälle
auch durch andre unter Umständen selbst sichrer wirkende Mittel erreicht werden
können und diese selbst in Einzelfällen mehr leisten, wie z. B. warme Bäder, kalte
Bemessungen im warmen Voll- oder Halbbad, sowie kaltfeuchte Einwirkungen, so wird
die Entscheidung darüber, welches Mittel im Einzelfall den Vorzug verdiene, dennoch
dem behandelnden Arzte anheim zu stellen sein, der in der Eigenartigkeit und Inten
sität des Leidens, in der Individualität des Kranken und in den Grade der aus den
vorliegenden Symptomen hervorgehenden grösseren oder geringeren Gefährdung des
Lebens die erforderlichen Anhaltspunkte für die zu treffende Wahl finden wird.
Für die erfolgreiche Wirkung der Senfteige ist aber von der grössten Wich
tigkeit nicht nur die Beschaffenheit des dazu verwandten Materials, sondern auch die
Bereitung derselben.
Wenn, wie gesetzlich bei uns vorgeschrieben, die bei uns einheimischen planz-
liehen Droguen alljährlich in den Apotheken erneuert werden; darunter auch der
dahinuehörige semen sinapeos nigrae s ), so ist auch von dem gewöhnlichen schwarzen
Senfpulver bei richtiger Verwendung desselben zur Senfteiganfertigung eine genügende
Wirkung zu erwarten. Sichrer aber und kräftiger wird die Wirkung ausfallen, wenn
zur Bereitung des Teigs das Sareptasenfpulver gebraucht wird, wie dies z. B. in einer
holsteinischen Apotheke durchgehend geschieht, während dort zu localen Bädern
schwarzes Seufpulver abgegeben wird.
Vergleichende Versuche über die Darstellung des ätherischen Senföls aus dem
gewöhnlichen schwarzen Senfpulver und dem des Sareptasenfs haben ergeben, dass
letzteres bei gleicher Menge eine um ein Viertel und darüber grössere Ausbeute an
und Gefäes-Thätigkeit erhöhen, den Blutlauf beschleunigen, hypersthenisch wirken; 5) dass der 0>
des Hautreizes für den zu erzielenden Erfolg völlig gleichgültig ist, wenigstens für die meiste
Fälle; 6) dass vielmehr eine den Verhältnissen entsprechende Stärke des Reizes zumeist allein du
therapeutischen Erfolg bedingt; 7) dass in gleicher Hinsicht eine den Hautreiz begleitende Hypeia-
mie an und für sich nicht in Betracht kömmt.
5 ) cfr. § 58 Satz 2 der holst. Apothekerordnung vom 18. Februar 1854.

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