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mittlere Temperatur, während heisses oder kochendes Wasser die Spaltung: verhin
dert, wahrscheinlich wegen Veränderung des Myrosins und dadurch bewirkter Auf
hebung seiner Fähigkeit als Gährungserreger zu wirken. Man kann daher auch aus
dem schwarzen Senf durch sofortige Destillation mit heissem oder kochendem Wasser
kein ätherisches Senföl darstellen, sondern muss eine mehrstündige Maceration mit kaltem
Wasser voraufgehen lassen. Durch laues Wasser wird aber bei der Bereitung des
Senfteigs die Einleitung des Gährungs- resp. Spaltungsprocesses und die Bildung des
ätherischen Senföls nicht gestört 5 im Gegentheil fördert die lauwarme Beschaffenheit
des Wassers, da dieser flüchtige Körper schwerer als Wasser ist, die Entwicklung
resp. Entweichung desselben mit Hülfe der sich entwickelnden Wasserdünste.
Hinsichtlich der physiologischen wie therapeutischen Wirkung der Sinapismen
ist zwischen der örtlichen und allgemeinen Wirkung zu unterscheiden. Unter den
Erscheinungen der localen Wirkung steht ein allmählich an Intensität zunehmender
brennender Schmerz obenan, demnächst ein gesteigertes Wärmegefühl, södann eine
vermehrte Röthe der Applicationsstelle, endlich, bei sehr reizbarer Haut und längerer
resp. intensiverer Einwirkung des Mittels, Bläschenbildung; wo die letztgenannten
Bedingungen in übergrossem Maasse vorhanden war, hat man sogar ausnahmsweise
Brand an der Applicationsstelle als Folgeerscheinung auftreten sehn. Längere Zeit
nach Entfernung des Sinapismus erfolgt eine Epithelabstossung an der Applications- 1
stelle unter der Form kleinförmiger Abschilferung. Diese Wirkung ist dadurch be
dingt, dass das ätherische Senföl die Epidermis durchdringt, ohne aber dass letztere
dadurch mechanische oder chemische Veränderungen erleidet. Es handelt sich also
zunächst um eine Neigung der sensitiven Hautnerven, dann um eine oberflächliche
Hyperämie nach Analogie des alten Satzes „ubi stimulus ibi affluxus,“ auf dessen
verschiedene Erklärungs- resp. Berichtigungsarten einzugehn hier wohl nicht der
Platz ist. Je nach dem Grade des mit dieser Hyperämie verbundenen oder sie viel
mehr bedingenden Seitendrucks in den oberflächlichen Hautcappillaren tritt 'dann ent
weder keine oder weniger Exsudation unter die Epidermis auf. Es ergaben sich
hieraus die localen therapeutischen Wirkungen leicht.
Werden Senfteige als local erregendes Mittel bei peripherischen, namentlich
sensitiven Paralysen seltener in Anwendung gezogen, so ist dagegen ihr Gebrauch
zum Behuf der Ableitung von, der Haut nicht zu fern gelegenen und mit derselben
in mehr weniger bestimmt nachweisbaren Gefäss- und Nervenconnex stehenden 1 hei
len ein noch häufigerer. Es gilt dies besonders von Neuralgien, desgleichen von
Entzündungen oberflächlich gelegener Theile, insbesondere seröser Häute, wie der
Pleura, des Peritonaeums, der Synovialhäute der Gelenke, selbstverständlich im An
fänge der genannten Leiden und bei geringerer Intensität derselben. Es ist die Ver
mehrung des Seitendrucks in den Hautcapillaren der Applicationsstelle, durch welche
der Seitendruck in den Gefässen der tiefer, doch noch nahe gelegenen, entzündeten

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