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allen Ländern des nördlichen Europas wild und angebaut vor. In neuerer Zeit hat
man aber mit Vortheil auch das Pulver einer andern Sinapisspecies dazu gebraucht.
Ihr Name ist sinapis juncea. Sie kommt neben noch andern fünf Sinapisarten in
Asien, besonders in China, Cochinchina, Ostindien und im südlichen Russland vor 1 ).
Es wird schon seit längerer Zeit in Sarepta, nun auch in Saratow, Lipetz, Moskau
aus den Samen dieser Pflanze Senfpulver bereitet, welches anfangs nur in Russland
gebraucht, jetzt aber auch in’s Ausland, so auch nach Deutschland exportirt wird.
Die Gründe, warum man diesem Senfpulver einen Vorzug vor dem Pulver des gewöhn
lichen schwarzen Senfs einräumt, sind folgende:
Die Pflanze wird auf jungfräulichem, fettem, salzreichem Boden des caspischen
Tieflandes resp. in der sogenannten astrachanischen Tiefsteppe diesseits und jenseits
der Wolga gebaut, auf einem Gebiete, welches früher selbst von Armen des caspi
schen Meeres bespült worden. Das Pulver wird in, durch Dampfmaschinen getrie
benen Gewerken hergestellt, worin die Samen zunächst von ihrer Schale befreit,
sodann durch scharfes Pressen vom fetten Oel gereinigt und endlich zu feinem Pul
ver gemahlen werden. Das Pulver zeichnet sich vor unserrn schmutzig grünen, aus
den Samen von sinapis nigra gewonnenem, durch seine hellgelbe Farbe und seine
Zartheit aus. Es ist im frischen Zustand geruchlos und wird auch mit der Zeit nicht
auffallend ranzig riechend. Da das wirksame Princip des Pulvers des schwarzen Senfs
sowohl wie das Sareptasenfs ein flüchtiger Körper, das sogenannte Senföl ist, welches
nicht fertig darin enthalten, sondern erst als Gährungsproduct daraus entsteht, so
wird es erforderlich, das in diesem Pflanzenpulver enthaltene Gährungsmaterial und
den darin vorkommenden Gährungserreger nebst den erforderlichen Bedingungen zur
Einwirkung des Letzteren auf Ersteres näher zu betrachten. Denn es werden sich
daraus die Anhaltspunkte für die passende Bereitung der Senfteige weiterhin ergeben.
Das Gährungsmaterial des Pulvers beider Senfarten ist eine gepaarte Zucker
verbindung (Glycosid), welche als schwache vegetabilische Säure, mit dem Namen
Myronsäure belegt, darin locker an Kali gebunden ist. 2 ) Sie unterscheidet sich von
*) cf. Theodor Martius in Buchner’s neuem Repertorium 1859, Bd. 8, S. 203 und der
selbe in dem Archiv der Pharmacie, Bd. 112, Heft 1 S. 55. Die sechs asiatischen Sinapisarten
sind: Sinapis brassicata L., Sinapis remosa, dichotoma, glauca, rugosa Rosb., Sinapis juncea Meyer.
2 ) cf. H. Will und W. Körner „Zur Kenntniss der Bildung des SenfÖls aus dem Samen
des schwarzen Senfs“ in den Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 125 H. 3 (März 1863). Die
Verfasser geben für das myronsäure Kali die bormel C 20 H 1S N K S 4 O 20 an. Auf den ersten
Blick ersehe man, dass sich die vorstehende Formel zerlegen lasse in die
des Senföls ■ C 8 H a N S 2
des Zuckers C 12 H 12 Q 12 und
des säuern Schwefels. Kali.. H K S 2 O 8
C 20 H 18 N K S 4 O 20

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