fassungsform ward von ihm vorgeschlagen, durch welche namentlich auch den beiden
protestantischen Confessionen die Möglichkeit vermittelt werden konnte, frei über
die Union sich zu entscheiden.
Unmittelbar vor der dritten Säcularfeier des Beginns der Reformation erschien
in Beziehung auf diese bevorstehende Feier der denkwürdige Aufruf König Friedrich
Wilhelm III. zur Union, am 27. September 1817. In demselben erklärt der König,
sich anschliessend an das Bestreben seiner Verfahren, seinen Wunsch einer solchen
Vereinigung, in welcher die reformirte Kirche nicht zur lutherischen und diese nicht
zu jener übergeht, sondern beide Eine neu belebte evangelisch-christliche Kirche im
Geiste ihres heiligen Stifters werden. Weit sey der König aber entfernt die Union
aufdringen und in dieser Angelegenheit etwas verhängen und bestimmen zu wollen,
da diese Union nur dann einen wahren Werth habe, wenn weder Ueberredung noch
Indifferentismus an ihr Antheil habe. Eine unter dem Vorsitz Schleiermachers ver
sammelte Synode der berliner Geistlichen erklärte am 29. October desselben Jahres 1817
ihren Beitritt zur Union und am Tage des Reforinationsfestes, dem 31. October, erfolgte
die feierliche Einsetzung derselben zu Potsdam, wie auch zu Berlin und anderwärts in
den preussischen Landen durch das gemeinsame Abendmahl der Bekenner beider
Confessionen. Die preussische Unionskirche war seitdem als fester Mittelpunkt für
die Union der evangelischen Kirchen in Deutschland gegeben, die unmittelbar vorher
schon in Nassau zu Stande gekommen war, darnach in den nächstfolgenden Jahren
auch die evangelischen Kirchen in der baierschen Rheinpfalz, Baden, Hessen, Anhalt,
Waldeck dem Vorgang der preussischen Landeskirche sich anschlossen.
Es war natürlich, dass von rein lutherischen Ländern her, wo ein Bedürfhiss
der Union sich nicht geltend machte, auch die Zustände der confessionell gemischten
Länder und die Unionsbestrebungen in denselben nur unvollständig bekannt waren und
ungenügend geschätzt wurden, Widerspruch gegen das Unionswerk sich erhob. So von
dem damals noch in den ersten Anfängen seiner neueren deutschen und freiheitlichen
Entwicklung begriffenen Schleswig-Holstein her durch Harms zu Kiel, der mit ehren-
werther Pietät gegen das Lutherthum, dem er nach Bildung und Richtung angehörte,
die Union vermittelst paradox hin und herfahrender Thesen zu bestreiten unternahm,
welche darnach von dem durch seine Theilung schwer gekränkten Königreich Sachsen
her der rationalistische Oberhofprediger von Ammon zu Dresden, verwunderlicher
Weise nunmehr auch ein Gegner der Union, als bittere Arznei für die Glaubens-
sthwäche der Zeit, in einer so betitelten Schrift empfahl. Schleiermacher antwortete
in einer an Ammon gerichteten Zuschrift beiden Gegnern mit unläugbarer Ueber-
legenheit, Harms mit achtungsvollem Wohlwollen, als einem wohlgesinnten, geistreichen
und von einem edlen Eifer beseelten wahrhaft christlichen Mann, in dessen Thesen
er freilich keine Blitze erkennen könne, sondern nur Raketen, ein blosses vergängliches
Lustfeuer, Ammon mit schneidender Schärfe.

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