Reformirten freilich, selbst mit Strenge, niederzuhalten und besonnene, gemässigte Auf-
fassungder confessionellen UnterscheidungslehrennachMöglichkeitzu fördern, zu der Union
der protestantischen Confessionen aber, ungeachtet seiner darauf gerichteten Wünsche,
die beiderseitigen Angehörigen derselben mehr nur indirect anzuregen und anzuleiten.
In den späteren Zeiten des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die alten
lutherischen und reformirten Unterscheidungslehren in beiden Confessionen ihre Be
deutung in der That schon wesentlich verloren, indem man, so weit sie nicht über
haupt in Vergessenheit gekommen waren, zu vermittelnder Um- und Fortbildung
derselben fortging. Ausserdem aber hatten sich neben ihnen in beiden Confessionen
schon andere, viel tiefer gehende Lehrgegensätze hervorgethan und befestigt. So war
in der That dem Wesen der Sache nach kein triftiger Grund für die Aufrechthaltung der
kirchlichen Trennung zwischen den Lutherischen und den Reformirten mehr vorhanden,
welche letztere überdieses in den preussischen Landen, wo lutherische und reformirte
Gemeinden vielerwärts unmittelbar rreben einander bestanden, auch mancherlei specielle
Uebelstände mit sich führen musste. Schleiermacher insbesondere konnte nach seiner
Fassung der Religion, als wesentlich einer eigenthümlichen Gefühlsbestimmtheit, den
Unterscheidungslehren der beiden protestantischen Confessionen eine wahrhaft trennende
Bedeutung um so viel weniger beilegen, da ihnen, in ihrer dialektisch-formellen Aus
bildung wenigstens, so wie nach ihrer grossentheils schwankenden Haltung, eine
verschiedene Bestimmtheit des religiösen Gefühls unmittelbar weder entspricht noch
entsprechen kann. Demzufolge ging nun Schleiermachers Vorschlag dahin, dass die
beiden Confessionen, nach dem Vorbild namentlich auch der herrnhutischen Brüder
gemeinde, ohne vorgängige dogmatische Ausgleichung der Unterscheidungslehren,
im Cultus, insbesondere auch durch vollständige Abendmahlsgemeinschaft und in der
Verfassung sich vereinigen, die Unterscheidungslehren aber der theologischen Wissenschaft
zu weiterer \ erhandlung überlassen sollen. Und zwar will er, dass diese Vereinigung
der beiden Confessionen rein nach eigner freier Entscheidung derselben sich vollziehe,
ohne irgend einen Zwang in dieser Beziehung. König Friedrich Wilhelm III., welcher
den dogmatischen Differenzen zwischen den beiden Confessionen ebenfalls keine
entscheidende Bedeutung beilegte, war diesen Vorschlägen Schleiermaehers um so
mehr geneigt, weil es ihn betrübte, dass er, als Reformirter, wegen der bestehenden
confessionellen Trennung das Abendmahl nicht mit seiner innig von ihm geliebten
Gemahlin, der lutherischen Königin Luise, zusammen empfangen konnte, was ihm
auch nach dem 1810 erfolgten, vielbeklagten frühen Tode dieser im Gedächtniss
patriotischer Deutschen ewig lebenden Fürstin, bleibend eine sehr schmerzliche Er
innerung war. Im Jahr 1808 war Schleiermacher auf Veranlassung des Freiherrn
von Stein mit dem Entwurf einer neuen Verfassung der evangelischen Kirche in den
preussischen Landen beauftragt worden. Eine ermässigte presbyterial-synodale Ver-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.