Heir von anderer Herkunft seyn müsse“. Die Geburtsstunde seines höheren Lebens
oder doch die Todesstunde seines alten Menschen nach dessen Erkenntniss in gött
lichen Dingen, erklärt Harms, habe er daran gehabt; den Stoss zu einer ewigen Be
wegung habe er von diesem Buche empfangen und werde nächst Gott Schleiermacher
allezeit dafür Dank wissen.
In den Predigten Schleiermachers fand Harms allerdings die rhetorische Pracht
und Kunst nicht wieder, welche die Reden über die Religion schmücken und welche
von denselben in Betreff der vollkömmnen religiösen Mittheilung unter religiös Ge
reiften ausdrücklich erfordert werden. Auch die Gedanken der Predigten Schleiermachers
schienen Harms an die Reden nicht heranzureichen und mit denselben nicht durchaus
zu stimmen. Harms meint, der, welcher ihn gezeugt hatte, habe kein Brod für
ihn gehabt.
Schleiermacher selber hat sich über dieses Verhältniss seiner Predigten zu
der eben erwähnten Beschaffenheit und Forderung der Reden über die Religion in
einer der Noten ausgesprochen, welche der 1821 erschienenen dritten Auflage dieser
Schrift von ihm beigefügt worden sind. Wohl mit Grund beruft er sich nemlich zu
seiner Rechtfertigung darauf, dass in der Predigt, weil dieselbe an eine aus solchen,
welche Reife und Einsicht schon inne; haben und Anderen, welche derselben noch
entbehren, gemischte Versammlung: gerichtet sey, der ruhigere didaktische Charakter
nothwendig stark sieh mit geltend machen müsse. Ein sehr competenter Beurtheiler,
Rar! Heinrich Sack, Sohn jenes väterlichen Freundes Schleiermachers, Friedrich Sack,
mit welchem er die von demselben einst sehr stark ausgesprochene Unzufriedenheit
mit der Hinneigung Schleiermachers zu pantheistischer Betrachtungsweise entschieden
theilt, ist doch und wohl mit Recht sehr bestimmt der Ansicht, dass Schleiermacher
in seinen Predigten als der Anfänger einer neuen homiletischen Periode zu betrachten
sey, wenn man ihn auch mit den Edelsten unter den Predigern der vorhergehenden
Periode vergleiche. Dafür macht Sack die Bestimmtheit und Klarheit geltend, mit
welcher Schleiermacher das gesammte menschliche Daseyn nach allen verschiedenen
wesentlichen Formen; und Beziehungen desselben unter dem christlichen sittlich
religiösen Gesichtspunkte sowohl einheitlich zusammenfasst, als wiederum auch ge
sondert für sich .darlegt.. Es war, nach Sacks Ausdruck, in der Schleiermacher’schen
Predigt, als wenn der philosophische und moralische Stolz des Zeitalters zusammen
sänke in der Liebesflaimne christlicher Rede. Ganz besonders sind unter anderen
auch die auf die politischen Verhältnisse bezüglichen, kühnen und nachdrücklich
mahnenden patriotisch begeisterten Predigten Schleiermachers aus der Zeit der französi
schen Fremdherrschaft in Deutschland und der deutschen Freiheitskriege gegen Frankreich,
hervorzuheben, an deren einer, der, mit dem Thema: „Was wir fürchten sollen und
was nicht“, über Matth. C. 10, V. 28. am Neujahrstage 1807 gehaltenen, der treffliche
Minister Freiherr von Stein sich stärkte, als ihn am Anfang des Jahrs 1809 die kurz

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