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seiner ganzen Haltung adelte, allmählich, seit 1798 besonders, ein inniges, aber durch
aus leidenschaftsfreies und reines Freundschaftsbündniss. — Zu diesen berliner Kreisen
gehörten aber vor Anderen auch die unter einander selbst mannichfach verschie
denen vornehmsten Häupter der sogenannten romantischen Kunstschule und Ideen
richtung. Im Allgemeinen genommen hat dieselbe ihr Wesen darin, dass sie, anstatt
des von Kant und Johann Gottlieb Fichte vornehmlich geltend gemachten allgemein
normalen Vernunftprincips im Ich oder im subjectiven Bewusstseyn, vielmehr an das
individuelle, in concrete:- Besonderheit eigentümlich für sich bestehende Ich sich hält,
wie dasselbe im Gefühl, in der Anschauung und der Phantasie mannichfaltig, frei und
ungebunden, mit ironischem Verhalten gegen die übrige Welt, sich vollzieht, daher
diese Romantik insbesondere auch, im Gegensatz des Anschlusses an die altclassischen
Muster, welchen Goethe und Schiller vor Anderen zunehmend repräsentirten, vielmehr
solchen Culturforrnen mit besonderer Vorliebe sich zuwendete, welche noch mehr
chaotisch unklar und phantastisch erscheinen, wie das Mittelalter und der Orient.
Neben dem mystisch und katholisirend frommen, kindlich sinn- und ahnungsreichen,
früh heimgerufenen Friedrich Hardenberg-Novalis, Ludwig Tieck, dem Meister dieser
individualisirenden Kunstform in ihrer romantisch-phantastischen Gestalt und darnach
auch in strengerer, classisch gerundeter Haltung und August Wilhelm Schlegel, dem
feinen Kritiker und formgewandten Uebersetzer ausländischer Dichterwerke in die
deutsche Sprache, trat besonders des Letzteren jüngerer Bruder Friedrich Schlegel
unter den Häuptern jener Romantik als derjenige hervor, Avelcher die Elemente und
Hülfsmittel derselben vor den Anderen am Umfassendsten und Rastlosesten sich anzu
eignen suchte und die Consequenzen ihrer Richtung in Wort und That am Vollstän
digsten und Rücksichtslosesten geltend machte. Mit dem fünf und zwanzigjährigen
Friedrich Schlegel verband sich der etwas ältere Schleiermacher damals in Berlin um
1797 und gleich nachher zum engsten Freundschaftsbündniss in möglichst vollständiger
Gemeinschaft der Studien und des Lebens und zwar so, dass er zu dem in Bildung
und Kenntnissen schon mehr vorgeschrittenen Schlegel zunächst überwiegend receptiv
sich verhielt Als Schleiermachers väterlicher Freund, der Hofprediger Sack, an diesen
Freundschaftsverhältnissen desselben Anstoss nahm und ihm namentlich die Unan
gemessenheit derselben für einen Geistlichen vorrückte, entgegnete Schleiermacher mit
Selbstgefühl, er hoffe es noch dahin zu bringen, dass man seine Freunde nach ihm
beurtheile, anstatt ihn selbst nach jenen, könne auch ein besonderes Sittengesetz für
das Verhalten der Geistlichen nicht anerkennen. Es ward sich Schleiermacher indess
doch der wesentlichen Verschiedenheit seiner Eigentümlichkeit von der Schlegels
bald schon bewusst und es befriedigte ihn das persönliche Verhalten desselben, nach
seinen uns darüber vorliegenden vertraulichen Mitteilungen, schon in Kurzem keines-
weges. Schleiermachers Stellung zur Romantik und zum romantischen Princip der
concreten Individualität war und blieb nemlich durchweg wesentlich diese, dass er

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