auf eine solche mystisch-persönliche Zueignung der dem Gläubigen durch Christum
vermittelten* Sündenvergebung und Rechtfertigung, die sich durch unmittelbaren
Verkehr mit der gottmenschlichen Person des Heilandes selber vollzieht. — Ohne
seinen frischen Jugendmuth sich dadurch rauben zu lassen, gab auch Schleiermacher
sich nun anfangs dieser Frömmigkeitsrichtung unbefangen und eifrig hin. Darnach
aber wurden in ihm Zweifel in Betreff der kirchlichen Lehren von einer in dem
Tode Christi gegebenen stellvertretenden Versöhnung für ewige Strafen, welche Gott
den Menschen auferlegt hätte und von unmittelbarer Gleichheit Christi, des Menschen
sohns, mit dem ewigen Vater immer mächtiger. Wie schwer es ihm auch ward,
seinen Vater auf solche Art zu betrüben, so konnte er doch nicht umhin, denselben
1787, mit der Erklärung, diese Lehren nicht mehr festhalten zu können, um die
Erlaubniss zu bitten, auf der Universität zu Halle in voller wissenschaftlicher Freiheit
seine Studien fortsetzen zu dürfen. Der Vater, damals schon seit länger mit ernster
Frömmigkeit der Kirchenlehre strenge ergeben, antwortete dem Sohn, ähnlich den
Gal. 3. vom Apostel Paulus an die galatischen Gemeinden gerichteten Vorwürfen,
als einem mit unverständigem Eifer von der Wahrheit Abtrünnigen, welcher den
ihm vor die Augen gemalten Christus nunmehr kreuzige, einen anderen Gott als
sein Vater anbete. Doch ward die Angelegenheit dahin vermittelt, dass Schleier
macher Halle beziehen durfte; sein Vater ward bald wieder milde gestimmt. —
Bleibend erkennt Schleiermacher übrigens an, dass der fundamentale Gegensatz
zwischen des Menschen Sünde und der Gnade in Christo ihm besonders durch die
Frömmigkeit und fromme Gemeinschaft der Brüdergemeinde eindringlich geworden
sey und ihr in engem Kreis concret vollständig ausgebildetes frommes Gemeindewesen
ihn besonders bestimmt und nachdrücklich angewiesen habe, Alles im Menschenleben
bis ins Einzelnste unter dem Gesichtspunkt einer höchsten religiösen Idee zu
betrachten.
Zu Halle widmete Schleiermacher sich, als Studirender der Theologie daselbst,
1787—1789 in äusserlich beschränkter Lage mit grösster Energie ausser neutestament-
licher Exegese ganz besonders philosophischen Studien, nach Anleitung insbesondere
der Kantischen Philosophie, welche ihn zu besonnener, sicherer Methode anleitete
und seines Lehrers zu Halle, des klaren und eleganten Wolfianers Eberhard, der ihn
namentlich auch für Platon und Aristoteles begeisterte.
Bei Schleiermachers erstem theologischem Candidatenexamen zu Berlin 1790
ward aus der Zahl seiner Examinatoren ein sehr würdiger Mann, der etwa 30 Jahr
ältere Hofprediger Friedrich Sack, sein väterlicher Freund. Durch diesen ward er
nun zum ersten Mal in höhere Lebenskreise versetzt, als Hauslehrer beim Grafen
Dohna zu Schlobitten in Westpreussen und es ist Schleiermacher mit dieser trefflichen '
Familie, obwohl seine Hauslehrerstellung schon nach 3 Jahren, 1793, wegen pädagogischer
Differenzen zwischen ihm und dem Grafen, wie auch wegen seiner günstigeren

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