Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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nerungen und Reliquien aus dem öffentlichen Leben und dem künstlerischen Streben unseres 
Volksstammes. 
Der Unterzeichnete Vorstand der S.-H.-L. antiquarischen Gesellschaft würde sich pflicht- 
massig zunächst berufen fühlen, in dieser Angelegenheit eine Initiative zu ergreifen; aber seine 
Kräfte und Mittel sind einer so grossen Aufgabe nicht gewachsen. Ja, er wird nicht einmal auf 
die Länge im Stande sein, auch nur in der bisherigen Weise für die Kieler Sammlung Sorge zu 
tragen. Seit vielen Jahren hat die Theilnahme des Publikums an unserer Gesellschaft immer mehr 
abgenommen; kaum noch fünfzig Mitglieder zahlen jetzt den regelmässigen jährlichen Beitrag, und 
aus dieser kleinen Einnahme sind zunächst die laufenden Unkosten zu bestreiten. So bleibt für 
Ankäufe nur eine verhältmssmässig geringfügige Summe übrig, und wenn wir bei einzelnen Gelegen 
eren aus öffentlichen und Privatmitteln freigebig unterstützt worden sind, so haben wir uns nicht 
minder oft wegen Geldmittel manches werthvolle Stück entgehen lassen müssen. Dazu kommt, dass 
die sehr beschränkten Räumlichkeiten des Kieler Museums, abgesehen von zahlreichen anderen Um 
standen, langst überfüllt sind; in den Schränken ist fast kein Stück mehr unterzubringen. Von 
der Münzsammlung hat überhaupt nur der kleinste Theil und auch dieser nur in der unbefriedigensten 
eise aufgestellt werden können. Während der letzten Jahre durften wir hoffen, dass bei dem 
beabsichtigten Bau eines neuen Universitätsgebäudes auch unser Museum berücksichtigt werden 
und ein angemessenes Lokal angewiesen erhalten würde. Jedoch diese Ploffnung ist jetzt nach 
bestimmten Erklärungen von massgebender Seite hinfällig geworden. 
Unter solchen Umständen bleibt dem Unterzeichneten Vorstande nichts anderes übrig, als 
das Schicksal unserer beiden einheimischen Alterthumssammlungen in die Hände des hohen Pro- 
vmzial-Landtags zu legen. Die Flensburger Sammlung ist unzweifelhaft ein Eigenthum des Herzo<r- 
thums Schleswig und somit jetzt unserer Provinz Schleswig-Holstein. Die S.-H.-L. antiquarische 
Gesellschaft wird bereitwillig ihre Rechte auf das Kieler Museum gleichfalls an die Provinz abtreten. 
Wenn letzteres bei seiner Stiftung als eine Pertinenz der Kieler Universitäts-Bibliothek bezeichnet 
wuue, so war das (wie bei anderen gemeinnützigen Anstalten, z. B. der Kieler Gemäldegallerie) 
nui eine Form, um dem Museum den Charakter als öffentliches Eigenthum zu sichern, und diese 
ausel wird also der Uebertragung des Eigenthumsrechts an die Provinz keinenfalls im We«-e 
stehen. ° 
Wir bitten daher, 
Ein hoher Provinzial-Landtag wolle geneigtest beschliessen, die Kieler und 
die vormalige Flensburger Alterthumssammlungen als Provinzial - Eigenthum der 
Provinz Schleswig-Holstein zu übernehmen, und für die Errichtung eines Schleswig- 
Holsteinischen Provinzial-Museums vaterländischer Alterthümer Sorge zu tragen. ° 
Ehrerbietigst 
der Vorstand der S.-H.-L. Gesellschaft 
für die Sammlung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer. 
-ff. Ratjen. II. Bandelmann. Chr. Jessen, (Hadersleben). 
Chr. A. Klander, (Plön). Klaus Groth. K. Weinhold. 
Chr. Johannsen, (Schleswig). A. F. C. Westedt, (Albersdorf).
	        

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