Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

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II. Yon der Universität im Allgemeinen, und den 
Universitäts-Instituten. 
1) Zur Geschickte der Universität. 
Bericht über das Rectoratsjahr vom 5. März 1868 bis zum 5. März 1869, 
Beim Rückblick auf das verflossene Rectoratsjahr muss es die Universität mit Dank erkennen, 
dass die Sorge der ihr Vorgesetzten Behörde nach wie vor darauf gerichtet war, ihr tüchtige Lehr 
kräfte zu erhalten, zu ersetzen, und in reicherem Maass zuzuführen. Demzufolge rückten in diesem 
Jahre die ausserordentlichen Professoren Hensen und Nöldecke zu ordentlichen Professoren auf, und 
wurde an die Stelle des in Ruhestand versetzten Professor ßehn für das von ihm vertretene Fach 
der Zoologie der Professor Carl Moebius von Hamburg, an die Stelle des nach Berlin versetzten 
Professor Harms für die von ihm vertretenen philosophischen Disciplinen der Professor Dilthey von 
Basel, an die Stelle des nach Göttingen versetzten Professor Dove für die von ihm vertretenen 
rechtswissenschaftlichen Fächer, namentlich das Kirchenrecht der Professor Hivschius von Berlin, an 
die Stelle des verst. Professor Colberg für pathologische Anatomie der Professor Cohnheim von Berlin 
an unsere Universität berufen. Zu bedauern ist, dass unter den Genannten der Professor Dilthey 
durch Krankheit gehindert, sein Amt noch immer nicht hat antreten können. Ausserdem ward für 
Vermehrung der Lehrkräfte in der theologischen Facultät durch Berufung des Professor Klostermann, 
und in der philosophischen Facultät durch Berufung des Professor Zirkel Sorge getragen. Und 
wie schon in den meisten dieser Fälle der den Facultäten durch Gesetz und Herkommen eingeräumte 
consultatorische Einfluss zur Geltung kam, so gibt auch der dem acad. Consistorio auf eine Vor 
stellung in dieser Angelegenheit ertheilte Bescheid Grund zu der Erwartung, dass künftig 
in allen Fällen, wo es sich um Wiederbesetzung oder Neubesetzung acad. Lehrstellen handelt, die 
Vorschläge und gutachtlichen Aeusserungen der betreffenden Facultäten zu möglichster Berück 
sichtigung werden eingezogen werden. Von den etatsmässigen Stellen ist in der philosophischen 
bacultät die Professur für Steuer- und Verwaltungs-Wissenschaften, so wie die für Landwirthschaft 
auch in diesem Jahr noch unbesetzt geblieben, und hat die früher beantragte Wiederbesetzung der 
Stelle eines acad. Musikdirectors zur Zeit noch nicht für nothwendig erkannt werden können. 
Die im vorjährigen Rectoratsbericht ausgesprochene Hoffnung auf Berücksichtigung der 
durch mehrere neuere Verordnungen, namentlich durch die Heranziehung der Universitätsangehörigen 
zur Einkommen- und Klassensteuer ungünstiger gestalteten Lage der acad. Lehrer hat sich zwar 
in diesem Jahr noch als eine vergebliche erwiesen. Je weniger aber im Geist unserer Zeit ein 
acad. Lehrer auf einer Ausnahmestellung gegenüber allgemeinen staatsbürgerlichen Pflichten bestehen 
kann, auch wenn das formale Recht ihm schützend zur Seite steht, und je unentbehrlicher ihm doch 
wiederum zu einer freudigen und gedeihlichen amtlichen Wirksamkeit eine Lage ist, welche ihn 
der Sorge für ausreichende Subsistenzmittel überhebt, desto mehr dürfen wir zu der Billigkeit und 
Weisheit unserer Vorgesetzten Behörde das Vertrauen hegen, dass jene Hoffnung nicht für immer 
unerfüllt bleiben werde. 
Wiefern sich an die Sorge für die Erhaltung und Gewinnung tüchtiger acad. Lehrkräfte, die für 
die Benutzung derselben von Seiten der studirenden Jugend reiht, musste allerdings die mit de ns 
Eintritt in den preussischen Staatsverband nothwendig gewordene Aufhebung des gesetzlichen Bienniums
	        

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