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Lampadius stützen sich darauf, dass er das Recht, gesetzliche Reichsversammlungen
auszuschreiben, ausser dem Kaiser und dem Kurerzkanzler, auch den Kreisdirectoren
vindicirt dass mithin auch die Kreistage als ein legitimus conveniendi modus an
zusehen seien. Die Sophistik, die hier mit den Worten conveniendi modus spielt
und ausser Acht lässt, dass conventus circulorum eben keine convent us Imperii sind,
braucht wohl nicht weiter hervorgehoben zu werden. Diese Briefe sind eben nicht
als ein systematisch entwickeltes Gutachten zu betrachten; aber sie kennzeichnen die
Unklarheit der Anschauungen, wie sie selbst bei einem der gelehrtesten Verfechter der
neuen Aulfassungen noch herrscht. Sie wollen die Frage nur allseitig beleuchten,
Material zu ihrer Beurtheilung geben. Lampadius schrieb quidquid festinanti calamo
incidebat 77 ).
In den weiteren Briefen vertieft er die Frage. Es wird, anknüpfend an ge
wisse scholastische Distinctionen zwischen einem actus primus und securidus, der
Satz auf bestellt: Actu primo seu actu essentiae, unicuique statuum ins suffragii com-
petit, etiamsi domi suae desideat; sed actu secundo seu existence Indus suffragii
potestatem non facile exercere possunt ordines, nisi in unurn locum sint congregati.
Vorläufig wird also hier noch festgehalten, dass dies den Reichsständen potentiell
um die philosophische Sprache beizubehalten - inwohnende ius suffragii actuell nur
in den verfassungsmässigen Formen werden kann; doch ist bei dieser Auffassung der
Schritt nicht mehr allzugross, eben von diesen überlieferten Formen abzusehen, wenn
dies« ein potentielles Recht verhindern, actuell ttu werden.
V ( | en we iteren Ausführungen sind nur diejenigen Abschnitte erwähnens-
werth, wo^ampadius auf die gegenwärtige Sachlage eingeht und dabei findet, dass
sie nach den überlieferten Rechtsformen sich nicht wohl beurtheilen lasse. Mit den
Worten sed hie rnutua conventione, hie transactione opus est, erhebt er sich zu einer
mehr politischen Auffassung, die sofort eine warme patriotische Farbe annimmt. Denn
politische Gesichtspunkte kann 'man eben nicht geltend machen, ohne sich auf sitt
liche Principien zu beziehen. Dann führt er schliesslich noch einmal die freiwilligen
Ständeversammlungen während des Krieges, so besonders die von Katholiken und
Protestanten 1631 in Frankfurt veranstaltete, beispielsweise an und kommt so all
mählich immer mehr dahin, das Gewicht weniger auf die staatsrechtliche Berechtigung
der Admission, als vielmehr auf ihre politische Nothwendigkeit zu legen.
Diese steigerte sich mit den Kriegsereignissen. Die beständigen Einwirkungen, wel
che die Coimressverhandlungen von den Vorgängen auf dem Kriegsschauplätze zu erfahren
77, So kann auch die auf den Einwurf, dass die Leipziger und ähnliche Protestanten-Versamrnlungen
der o-esetzlichen Grundlage entbehrten, anempfohlene Entgegnung, dass es sieh ebenso mit den Versammlungen der
Lensten' verhielte, eben höchstens als eine schlagfertige Antwort für eine eventuelle Debatte dienen, die den
katholischen Gegner vielleicht augenblicklich betroffen machen konnte.
*t*1

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