einzelnen Kreise, deren Bestimmung ja gerade recht eigentlich die Wahrung des
Landfriedens war, ihre Abgesandten dorthin deputirten; diese Kreisdeputirten, weil
von allen Ständen abgeordnet, würden dann gewissermaassen das ganze Reich re-
präsentiren und somit ein legitimus conveniendi modus gegeben sein. — Die Ab
gesandten aus Niedersachsen waren zum Theil schon unterweges. Mit dem schwä
bischen, obersächsischem und Oberrheinkreis hatte der fränkische sich ebenfalls in
Verbindung gesetzt. Von den Bewegungen in Westfalen ist oben bereits die Rede
gewesen (S. 19 Anmerk. 56.): Die Versuche von Selbsthülfe mehren sich, da vom
Reiche keine mehr zu hoffen stand.
Wie sehr man freilich noch über die verfassungsmässige Form, in welcher die
Stände zu den Verhandlungen gezogen werden könnten, sich im Unklaren befand,
geht aus den Briefen hervor, die der lüneburgische Gesandte Lampadius, also einer
der eifrigsten Vorkämpfer der Admission, über diese Frage, dem casselschen Gesandten
Scheffer sandte. Sie waren zur Mittheilung an Avaux bestimmt, daher sind die Haupt
stellen lateinisch geschrieben. Es ist belehrend, diese Briefe zu lesen 75 ); man sieht
in ihnen das Ringen sich aus den Anschauungen des formalen Staatsrechtes zu einer
der wirklichen Sachlage mehr entsprechenden, zu einer politischen Auffassung der
Verhältnisse zu erheben; daher die Vermis hung von staats- und völkerrechtlichen
Gesichtspunkten, aus denen der Verfasser die Stellung der Reichsstände betrachtet.
Er sucht zuerst nachzuweisen,: dass das ius suffragii der Stände nicht von der Be
rufung durch den Kaiser oder den Kurfürsten von Mainz abhänge. Vielmehr käme
es bei allen das Reich betreffenden Fragen immer nur auf den gemeinsamen Willen
des Kaisers und der Stände an. Ausserdem hätten die Stände mehrfach unaufge
fordert das Versammlungsrecht ausgeübt Wenn Laupadius aber dafür die Ver
sammlungen der Protestanten zu Leipzig 1631 und zu Frankfurt 1634 anführt, so
wird hier schon der Standpunkt des stricten Reichsrechtes verlassen; denn dort
handelte es sich doch nur um ein freies Uebereinkommen gleichberechtigter Staaten,
das die nicht Anwesenden in Nichts verpflichtete. So lag aber die Sache jetzt
durchaus nicht, jetzt, wo es auf einen allgemeinen Reichsfriedensschluss ankam. Es
war wohl in den landständischen Verfassungen Herkommens gewesen, dass die sich
einigenden Landstände nach den privatrechtlichen Verhältnissen der Sonderrechte und
Sonderfreiheiten, auf denen die Entwickelung dieser Verfassungen beruhete, eben nur
für sich allein bewilligten 78 ); die Reichsverfassung hatte aber doch allmählich, be
sonders seit den maximilianischen Reformen, einen mehr staatlichen Charakter er
halten, nach welchem Beschlüsse, von dem verfassungsmässigen Reichskörper gefasst,
für alle Glieder desselben bindend sein mussten. Die ferneren Ausführunsen des
p.
75 ) ib. 32 7.
7,i ) Cfr. Eichhorn, deutsche Staats- und Rechtsgesch. § 4 2 6.

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