Mittlerweile hatten sich aber doch die angesehensten Fürsten zu einem
selbständigen Vorgehen entschlossen. Es war der fränkische Kreis, der dazu Anlass
gab. Wir sahen oben (S. 18), was für Entwürfe man schon seit längerer Zeit im
Schoose desselben gehegt hatte. Chemnitz erzählt sogar von der Absicht der katho
lischen Stände, sich mit Cassel zu vereinigen. 69 ) Die entsetzlichen Bedrückungen, mit
denen Franken im Sommer 1644 von den kaiserlichen Truppen unter Hatzfeld heim
gesucht ward, nachdem die Schweden das Land zuvor von Erfurt aus gebrandschatzt
hatten, mussten die Stände auf das Aeusserste treiben. Dazu kam, dass grade der
fränkische Kreis, ebenso wie der schwäbische, in seiner territorialen Zersplitterung,
in seiner bunten Zusammensetzung, aus den Gebieten der kleinen und kleinsten Herren
des Reichs zuerst die Politik gross ziehen musste, die eben ihre particulare Sonder
stellung nur im Anschlüsse an das Ausland wahren zu können meinte. 70 )
Ausser den Bischöfen von Würzburg und Bamberg, war es vor allem Mark
graf Christian von Brandenburg-Culrnbach, der im Einverständniss mit dem Haupt der
Familie in Berlin zu einer energischen ständischen Politik entschlossen war. So konnte
es nicht schwer fallen, auf den im November stattfindenden Kreistage zu Bamberg
den Beschluss durchzusetzen, eigenmächtig ohne eine voraufgehende' Berufung vom
Kaiser abzuwarten, den fränkischen Kieis als solchen auf dem Congresse vertreten zu
lassen. Dieser Beschluss ward den Kronen officiell mitgetheilt, zugleich mit einem
verbindlichen Dank für ihre bisherigen Mühwaltungen. 71 ) Von dem Kaiser verlangte
man eine einfache, pure Bestätigung des vollen, bei solchen Tractaten üblichen ius
sufframi für alle Stände; denn ihnen allen und nicht nur den Kurfürsten stünde das
Recht de bello ac pace zu. 72 ) In den den Kreisgesandten gegebenen Instructionen 73 )
heisst es nun ferner, dass man sich mit den übrigen Kreisen gemeinschaftlicher Schritte
weo-en in Verbindung zu setzen hätte, dass das Hauptbestreben darauf gerichtet sein
solle, den Frieden zwischen Deutschland und dem Auslande zu Stande zu bringen,
die weitern Zerwürfnisse der Grossmächte aber ihnen allein überlassen müsste. In
einem Nachträge zu dieser Instruction werden dann die Satisfactions-, Amnestie- und
Gravaminenfragen näher erörtert; auch wird in demselben anempfohlen, nunmehr nicht
bloss auf eine Vertretung durch die kreisausschreibenden Fürsten, sondern auf Ver
tretung sämmtlicher Stände hinzuwirken.
So schien endlich ein Weg 74 ) gefunden, auf dem sich eine Mithandlung am
Congress Seitens der Reichsstände in’s Werk setzen liess, wenn nämlich zunächst die
6
69 ) ib# 4. c. 20.
7Ü ) Vrgl. Häusser, deutsche Gesell. I. Buch 4. u. 5. Absch,
71) 72j 73j j; e erwähnten Actenstüeke bei v. Meiern I. 288 u. ff.
74 ) Vrgl. die dagegen aufgeführten Gründe bei v. Meiern I. 4 6 7.

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