Mittlerweile ordneten die Kurfürsten von Coin und Brandenburg, als die 1636
dazu deputirten, ihre Gesandten nach Münster und Osnabrück ab. Auch der von
Mainz liess nicht lange auf sich warten, in der ausgesprochenen Absicht, jene ausser
ordentliche Deputation als erloschen betrachten und das Kurkollegium wie herkömm
lich durch Mainz und Baiern für Pfalz vertreten zu lassen. 65 ) Das aber durfte Branden
burg auf keinen Fall zugeben; abgesehen von dein Schimpf, der in einer solchen
„Absetzung“ gelegen haben würde, forderten sowohl die evangelischen Interessen, als
vor allem die eigenthümliche Lage Brandenburgs eipe entschiedene Theilnahme an
den Verhandlungen des Congresses.
So ward denn am Berliner Hofe auf Grund obiger Deputirung im December die
Instruction für die Gesandten entworfen. Vor allem sollen sie auf eine Berufung des
ganzen Kurcollegiums und sodann wo möglich auf die Admission sämmtlicher Reichs -
stände hinwirken. Die Doppelstellung, die Brandenburg einzunehmen gezwungen war,
kennzeichnet sich am besten dadurch, dass den Gesandten auf das bestimmteste eipgeschärft
ward, gegen Schweden sich reservirt und immer ad latus Caesaris zu verhalten, während
sie doch, abgesehen von andern Fragen, bezüglich der Admission der Reichsstände,
dasselbe Interesse gegen die monarchischen Tendenzen des Kaisers, wie die verbün
deten Mächte verfochten. 66 )
Denn noch immer versuchte die kaiserliche Politik, die Stände von
den Verhandlungen völlig auszuschliessen. Man mühete sich deswegen, die
Auflösung des Deputationstages auf alle Fälle zu verhindern, um dann, wenn etwa
die Forderung auf eine Vertretung der Reichsstände sich durchaus nicht mehr ab
weisen liesse, denselben als officielles Reichsorgan auf den Congress zu verlegen. Denn
im schlimmsten Falle liess sich mit dem Deputationstage, der in seiner Zusammen
setzung der kurfürstlichen und katholischen Partei ein entschiedenes Uebergewicht
gab, 67 ) im kaiserlichen Sinne noch immer besser operiren, als wenn durch unterschied
lose Hinzuziehung aller Stände den französisch-schwedischen Einflüssen alle Schleusen
geöffnet würden,
Ihr langes Ausbleiben fing allgemach an die Kronen zu verdriessen,
und diese schienen Lust zu haben, ohne die Stände einen Anfang zu machen. Die
schon in Münster und Osnabrück anwesenden Gesandten baten im Januar 1645
wiederholt, noch ein weniges mit der Auswechselung der Vollmachten zu warten. 68 )
H> ) Urk. u. Act. 863. 865. u. a. in.
6 ‘) Die Mitglieder der ordentlichen Reichsdeputation waren ausser dem Curcollegiuia Oesterreich K.,
Würzburg K., Münster K., Jülich K., Baiern K., Hessen E., Constanz K., Burgund K„ Braunschweig E.,
Pommern E., der Abt von Weingarten K., der Graf v. Fürstenberg K., die Städte Coin K. und Nürnberg E.
Also 9 Katholische gegen 4 Evangelische.
,,s ) Chem. IV. 5. c. 10. 14. 29. u. a.

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