Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1868 (Band XV.)

fränkischen und schwäbischen Kreises. Denn hauptsächlich hatten jene Gedanken ihre 
•Veranlassung in der Furcht, dass Baiern, von den Umständen gedrängt, sich privatim 
mit Frankreich abfinden möchte. Das durften aber die südwestlichen Kreisstände um 
so weniger zu^eben, als dann ihre Stellung jedes militairischen Rückhaltes entbehrt 
haben sie völlig wehrlos zwischen den Kaiser und Frankreich gestellt sein würden. 
Denn Maximilian I. war der einzige Fürst jener Kreise, der noch über eine nennens- 
werthe Truppenmacht verfügen konnte, zu welcher die übrigen Stände bisher contri- 
buirt hatten. 
Mehrfach schon war versucht worden, die obern Kreise zu einem Bunde unter 
Baiern’s Leitung zu vereinigen. Damit würde das bairische Haus, das durch seinem 
auf dem erzbischöflichen Stuhle von Cöln sitzenden Prinzen im niederrheinischen und 
westfälischen Kreise einen ähnlichen Bund zu Stande zu bringen strebte, eine ganz 
bedeutende Stellung in den europäischen Fragen gewonnen haben. Jetzt unternahm es 
-Bamberg von neuem, Baiern für diese Pläne zu gewinnen. Vorläufig jedoch ohne 
sonderlichen Erfolg.’ 6 ) 
56 ) Ich glaube, Droysen in der Preuss. Politik III. I. p. 284 geht darin etwas zu weit, wenn er die 
ö . , pinne“ Baiern zuschreibt. Aus den von Droysen citirten Berichten Wesenbechs 
Initiative zu diesem „cvmschen 1 lane j 
ergiebt sich - wenigstens wie sie mir in den ürk. u. Act. I. 813 u. 8 60 vorliegen - dass ein ähnhclmr 
Plan allerdings von Würzburg und Bamberg vorgeschlagen, Baiern auch von Bamberg in Bezug darauf sond.rt 
und „zu selbsteigenem Unternehmen solches Werkes nicht ungeneigt befunden sei.“ Wenn ferner auch Baiern 
j„ m „i„ Wonders den westfälischen Kreis erfüllten, in Verbindung stand, so muss da 
mit den Bewegungen, die damals ütsoimo. _ . . 
, , j „ „„„lönfkr wenigstens die französische Diplomatie grade diesen Versuchen, eine neue 
gegen bemerkt werden, dass vonauug & _ ..... . 
. , „VwToneiirt war. dass von einem Einverständnisse mit Baiern, ja nur von einem ahnen- 
Liga aufzurichten, durchaus abgeneigt war, ua , j 
, . . y-,i„„ dieser Pläne — wie man es doch eigentlich erwarten dürfte — durchaus 
den Verständnis des letzten zieie» » 
_ , . , A r.,„ x-prrrleiche nur: Nog. seer. II. 72, wo es in einem Briefe der münsterschen Ge- 
keine Rede sein kann, ivtan 
T . . . ~ „,.f die westfälische Liga heisst: l’importance d’une affaire que Ton juge capable 
sandten au Brienne in Bezug am " r 
, • * . i„ s desseins des Courounes Alliez dans l’Allemagne oder ib. 83, wo Brienne schreibt: 
ä la longue de rumor tous ms 
. . , la deliberation prise en l’Assemblee du Cercle de Westphalie ce sera un grand 
Si vous trouvez jour de rompie 
j Mniestc, dann ebendas.: Les Marquis de Brandenbourg et de Neubourg pour- 
service, que vous rendrez a sa maje. , 
T . _ weitern Schreiben pag. 89 empfiehlt dann Brienne nochmals, ebenjene Beiden und 
rorit vous y aider. In einem »» ... 
„„falls zu einem bewaffneten Bunde gegen die von Cöln beabsichtigte Liga zu bewegen, 
einige andere bürsten, eueniauo »■ . _ 
Auch die nachmaligen Verhandlungen Vervaux’s in Paris führten zu keinem Resultat. (Vergl. S. 40.) Als mit 
, TT . „ j:..„ pnnsilia Bavarica, dieses regnum Boioariae, wie es Urk. u. Act. IV. 404 bezeichnet, 
dem Ulmer v ertrage diese "jn- 
wird, gewissermaassen zur 
Ausführung gelangten, hatte sich die allgemeine Lage schon bedeutend umgestaltet. 
Fs verdient noch bemerkt zu werden, dass Schreiber, der sich fast nur auf bairische Archivalien stützt, grade 
hier seiner Finseitmkeit wegen um so mehr Glauben verdient, wenn er immer nur von den Anträgen spricht, 
die Seitens der südlichen und westlichen Kreise dem Kurfürsten gemacht wurden, (vrgl. a. a. O. 862. 878. etc.) 
j n . ra(Je fort um i fort die unabhängige reichspatriotische Politik Maximilians gegenüber den österreichisch- 
s anisclien Hausinteressen hervorbebt, als er schon 1629 bei den Verhandlungen der Liga den baierischen Ver 
treter ohne Scheu „die französische Intervention" anrufen lässt (a. a. O. 422) bei dem nachmaligen Ulmer Ver- 
tno . c 909) kaum einen Scrupel fühlt, als er solche grossartigen politischen Combinationen, wie sie doch ohne 
Zweifel sich hier darbieten, nicht unbeachtet Vorbeigehen gelassen haben würde, seinem Helden grade hier mit 
leichter Mühe ein neues Lorbeerblatt in den Kranz seiner rettenden Politik zu flechten, wenn er in den Archiven 
dafür einen Anhalt gefunden hätte.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.