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des habsburgischen Kaiserhauses auch noch so sehr auseinander gehen, dem Pro
testantismus gegenüber standen sie geschlossen zusammen. Dem Restitutionsedict
zu Liebe, das ,die Stellung der evangelischen Partei an der Wurzel traf, hatte
Ferdinand II Wallenstein geopfert, war der Compromiss von 1630 zu Stande ge
kommen. Die katholische Richtung Frankreichs, das Ueberwiegen bald der dy
nastischen, bald der religiösen Interessen an den Höfen von Wien und München
brachte das Schwanken in die politischen Combinationen während der Friedensver
handlungen. Die Stellung der protestantischen Stände im Reiche hing auf’s engste
mit ihrer Libertät zusammen; Vernichtung dieser, hiess der katholischen Restaurations
politik Thür und Thor öffnen. So mussten jene sich nach Unterstützung umsehen;
und wie die Dinge einmal lagen, konnten sie dieselbe nur bei Schweden finden. Für
die katholische Partei hatte die Libertätsfrage nur insofern Bedeutung, als die
österreichisch-spanische Hauspolitik durch den ohne Ende fortgesetzten Krieg, durch
die Niederlagen, die sie besonders von Frankreich erlitt, ihre eigene Existenz zu be
drohen begann, als ihre materielle Macht in gleicher Weise wie die der Protestanten
mehr und mehr gänzlich zernichtet ward.
Aus diesen Gesichtspunkten ist die Admissionsfrage zu betrachten. Doch
damit ist keineswegs gesagt, dass nun die protestantischen Stände sich rückhaltslos
der Schwedischen Politik in die Arme werfen mussten. Man wusste wohl, wessen
man sich von dorther zu versehen hatte, mit welchen Opfern an Land und Leuten
die Libertät unter schwedischem Schutze zu erkaufen sein würde
Zudem ist es ein eigen Ding um die Macht Jahrhunderte alter Verhältnisse.
Auch in der Geschichte herrscht die vis inertiae. Nicht auf einmal löst man sich
von hergebrachten Vorstellungen, besonders nicht in einer Zeit, wo die Geltung des
formalen Rechtes, wenn schon mit Hülfe juristischer Spitzfindigkeiten, noch unter
allen Umständen aufrecht zu erhalten für nothwendig erachtet wurde. Und wenn
schon das reichspatriotische Gefühl der Zusammengehörigkeit, der noch keineswegs
völlig erstorhne nationale Stolz, der, wenn auch ohnmächtig, Avieder und Avieder
gegen die freche Anmassung der Fremden aufzuckte 39 ), es nicht zu einem offenen
Bruche mit dem Kaiser und den katholischen Mitständen kommen liess, so ward
jenes Gefühl noch unterstützt durch politische Bedenken der gewichtigsten Art. Wie
dann, wenn Sclweden nun schliesslich doch unterlag? Das Beispiel des geächteten
Pfalzgrafen, der vertriebenen Mecklenburger, selbst das Verfahren des Kaisers gegen
Lüneburg und Cassel auf dem letzten Reichstage stand drohend vor Aller Augen.
J So schreibt Markgraf Christian im Juni 1643 an Salvius auf dessen Einladungsschreiben: Status
vero et I rincipatus nostri conditio ea est, ut si . . . rebus iuribusque nostris quiete frui liceat, peculiare nihil ha-
beamus, quod ad arbitrium Confoederatorum deferre necesse sit. v. Meiern I. 12.

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