Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1864 (Band XI.)

gutem Erfolge fort, dass er der Aufnahme in dessen philologisches Seminar ungewöhnlich schnell 
gewürdigt wurde. Indessen führte ihn, der schon durch Dahlmanns und des früh verewigten 
Abel Vorlesungen für den Beruf des Historikers begeistert war, als er nach anderthalbjährigem 
Aufenthalt von Bonn nach Göttingen, eigentlich C. Fr. Hermanns wegen, gezogen, Anregung und 
Vorbild von G. Waitz auf andere Bahnen. Dieser strengen und sichern Schule hat er seine 
■weitere wissenschaftliche Laufbahn verdankt, wiewohl er auch als Ritsch!» dankbarer Zögling sieh 
noch vor kurzem bei dessen Jubiläum freudig bekannt hat. 
Von beiden Lehrern hat er seine kritische Methode und die sorgsame Benutzung der 
Einzelnheiten gelernt, die seiner gewissenhaft säubern Arbeitsweise so sehr entsprach; von Waitz 
ist er zunächst zu der gründlichen Durchforschung der Quellen unserer mittelalterlichen 
Geschichte geführt worden. 
Die merowingische Geschichte, die der kritischen Behandlung sehr bedarf und auf welche 
Waitz darum seine Schüler gern hinlenkt, gab auch unserm Junghans den Stoff seiner ersten 
selbständigen Arbeit. Nachdem er bereits in seiner Doctordissertation über König Childerich 
gehandelt, stellte er in einem Buche, das den Beifall aller Kenner durch gediegene Gründlichkeit 
fand, „die Geschichte der fränkischen Könige Childerich und Chlodowich kritisch untersucht,“ dar. 
(Göttingen 1857). Auf einen andern Theil der älteren deutschen Geschichte lenkte ihn seit 
Michaelis 1850 sein mehrjähriges Verhältnis als Hülfsarbeiter Dr. Lappenbergs in Hamburg. Er 
fand Gelegenheit, sein Geschick in methodischer Behandlung namentlich niedersächsischer histori 
scher Quellen zu beweisen, und ward, als ihn Lappenberg für die Besorgung der von der 
münchener historischen Commission beschlossenen Herausgabe der hansischen Reeesse gewann, auf 
die reiche hansische Geschichte als nächste grosse Aufgabe seines Lebens geleitet. Lappenberg 
erklärte gleich bei dem ersten Bericht über die begonnenen Vorarbeiten, wie in Junghans eine 
Kraft nach allen Wünschen gewonnen sei. Mit grösster Umsicht und Genauigkeit durchforschte 
er die Archive der deutschen ehemaligen Hansestädte, ferner die in London, Kopenhagen und den 
Niederlanden. Ein reiches Material hatte sein Fleiss gesammelt und dann zum Drucke bearbeitet. 
Aber es ist ihm nicht vergönnt gewesen, das Werk zu Ende zu führen. Er ist geschieden, ehe 
der erste Bogen gedruckt werden konnte. Noch vier Stunden vor seinem Tode beschäftigte ihn 
der Gedanke an diesen Nachlass. Sein Name wird indessen für immer mit dieser Quelle ersten 
Ranges für die norddeutsche Geschichte verbunden bleiben. 
Durch diese Aufgabe war er auch unserer Landesgeschichte schon vor seiner Berufung 
nach Kiel nahe getreten und man durfte gediegene Früchte auch hierin von ihm hoffen. Seine 
Abhandlung über Graf Heinrich den eisernen von Holstein (18(i4) sollte der Vorläufer anderer 
Monographien sein. Er las über die vaterländische Geschichto und begann als Secretär der Schh- 
H. L. Gesellschaft eine rüstige Thätigkeit. Seine Denkschrift über die Landesarchive, die nicht 
ohne praktische Folgen bleiben wird, hat gezeigt, wie gründlich er sich mit allen einschlagenden 
Verhältnissen beschäftigt hatte. 
Im Herbst 1802 wurde er als Nachfolger von K. W. Nitzsch zu derselben Professur nach 
Kiel berufen, die einst sein Lehrer Waitz bekleidet hatte; und ein halbes Jahr darauf führte er 
die geliebte Gattin heim. So hatte er, früh auf die eigenen Füsse gestellt und an strenge stetige 
Pflichterfüllung gewöhnt, vor andern das Ziel redlichsten Streben» erreicht: den Segen eines 
Amtes, an dem seine junge Kraft sichtlich wuchs, und ein häusliches Glück von seltener Reinheit. 
Seine bescheidene Sclbsterkenntniss hat es kein Hehl gehabt, dass er als ein Anfänger 
un Lehren unter uns auftrat. Aber sein solides, sauberes Wissen, die ruhige Sicherheit seiner
	        

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