Full text: (Band XI.)

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die uralten Mahlberge und Dingplätze betrifft. Ein Zeugniss dafür gibt noch ein 
niedersächsisches Weisthum, welches auf die Frage, wie frei die Linde auf dem 
Gerichtsorte (up einer thie) vor einer Stadt oder einem Dorfe sein solle, die Antwort 
giebt: die sol so fry sein als ein Wendelstein im felde. x ) 
4. Mit Kirchenfrieden und Dingfrieden wird in manchen Rechtsquellen der 
Haus friede zusammen gestellt, als gleich an hoher Bedeutung. Er ist eine der 
schönsten Einrichtungen unsers Alterthums, denn er entspringt aus der Unverletzlichkeit 
des freien Mannes; einen religiösen Grund kann ich hier nicht annehmen. Wie der 
hohe Wert der freien Persönlichkeit germanisch ist, so wird auch die Unverletzlich 
keit des Heims uralt sein; doch setzt dieselbe die Sesshaftigkeit des Volkes voraus. 
Die Wanderzeit muss bei der Ausbildung des Hausfriedens vorüber gewesen sein. 
Nach den Rechtsquellen der karlingischen Zeit stund er damals längst fest; theils 
beziehen sich Nebenbestimmungen der Volksrechte auf ihn, 2 ) theils heisst es, dass 
selbst der homo faidosus daheim Frieden habe. 3 ) Das thüringische Volksrecht setzt 
dreifaches Wergeid und dreifache Busse auf Totschlag und Schädigung innerhalb des 
Hofraums. 4 ) Die Rechtsspiegel des 13. Jahrhunderts erwähnen ihn nicht besonders, 
dagegen enthalten die Gottes- und Landfrieden, ganz besonders aber die Stadtrechte 
zahlreiche Sätze über ihn; 5 ) auch die Dorfweisthümer, namentlich die österreichischen 
zeigen ihn sehr entwickelt, so dass der Gedanke, er sei wesentlich in den Städten 
ausgebildet worden, abgewiesen werden muss. 
Der Hausfriede macht das Heim zu einer Friedstätte, selbst wenn nur ein 
Zwirnsfaden das Haus umschlösse, wie ein österreichisches Banntaiding sich formelhaft 
bildlich ausdrückt. 6 ) „Einem jeglichen Bürger sei, sein Haus eine Feste, ebenso den 
Hausgenossen und jedem der in das Haus flieht oder eintritt,“ bestimmt das Wiener 
Stadtrecht von 1221. Der Friede beginnt ursprünglich an der Umzäunung des 
Hofes; 7 ) doch wird der Bezirk auch enger angegeben, und entweder der Tropfenfall 
') Weist. 4, 662. 
2 ) 1. Sal. XCIX. 
3 ) 1. Saxon. XXVII. 1. Fris. add. sap. tit. 1. 
*) 1. Angl, et Werin. V, 5. und S. 10, 15 bei Merkel. 
8 ) Aus den Stadtrechten genüge die Verweisung auf Soest a. 1120. § 23. 24. Freiburg i. Br. 
a. 1120. § 9. Schwerin (12. Jahrh.) § 5. Ens a. 1212. § 19. Bern a. 1218. § 27. Wien a. 1221. 
§ 26. 29. Regensburg a. 1230. § 3. 4. Insbruck a. 1239. § 14. Freiburg i. Ucchtl. a. 1249. § 62. 
Hamburg a. 1270. XI, 1. a. 1292. L, 1. Eger a. 1279. § 13. Bodenwerder a. 1287. § 25. Ulm 
1296. § 20. Prag. Stat. 395. Klagenfurt a. 1338. § 9. Klingen § 28. 29. Salzwedel § 33. Arn 
stadt a. 1543. § 5—8. 
6 ) Kaltenbück 1, 14. 
7 J qui alterum intra septa propria Occident 1. Angl, et Werin. V, 5. omnis area pacem infra 
septa sua habeat Armani Gottesfr. von 1085. infra septa doinus sue vel atrii sui Strassburg. Stadtr. 
(11. Jh.) § 36.
	        
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