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Ein Schmuck, dessen wir Deutsche uns rühmen, sind Treue und Rechtsgetühl. Sie
beruhen auf der sittlichen Auffassung des Lebens und dem Vertrauen, dass ein uner
schütterliches Gesetz walte. Das ist das Gesetz des Friedens, welches dem einzelnen
Bezwingung selbstsüchtiger Leidenschaft und die Achtung vor fremdem sein und haben,
der Gesamtheit aber den Schutz des Rechtes auch am kleinsten gebietet. Friede ist
Schutz und Recht, Friedlosigkeit ist Schutz- und Rechtlosigkeit. Dieses sind die
ältesten Anschauungen in der germanischen Welt, die wir finden. Der Friede er
scheint als Schwert und Schild des einzelnen, als Heft und Band der Volksgemeinde,
von dem Frieden hängt nach dem nordgermanischen Mythus selbst das Leben der
Götter ab. Weil sie den Frieden brachen, fielen sie mit den Trümmern der Welt,
die sie geschaffen hatten.
Jeder einzelne genoss des Friedens, so lange er das Recht achtete, und ward
durch das Gesetz geschüzt, welches Wergeid und Bussen aufstellte. Neben diesem
einfachen Mannfrieden war ein höherer Friede aufgerichtet. Derselbe machte sich
durch doppelte oder vervielfachte Bussen fühlbar. Er kam den Ausgezeichneten in
Gemeinde und Stat zu, und lag auf den Stätten des Gottesdienstes und des Rechtes
und Rates; er schwebte über dem Volke, das zum Dinge oder zum Streite ausge
zogen war. Aus Bedürfniss ward er auch dem öffentlichen Verkehr und der nütz
lichsten Arbeit verliehen.
Wo der höhere Friede lag, war eine Friedstätte. Bis in die neuere Zeit kann
man ihren Spuren nachgehn. Sie hängen sehr eng mit den Freistätten zusammen,
den Zufluchtsorten der verfolgten. Aber nicht jede FYiedstätte war zugleich Freistätte,
und nicht jeder, welcher höheren Frieden genoss, vermochte anderen von diesem
Ueberfluss zu spenden und sie in der Not zu schirmen. Indem wir eine gedrängte
Darstellung dieser Verhältnisse geben, müssen wir daher die Friedstätten und die
Freistätten getrennt betrachten.

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