Full text: (Band XII.)

Weiter studirte Dante die Staats- und Rechtswissenschaft, Geometrie und Astro 
norme, Geschichte und Götterlehre und auch die Heilkunst. Die schönen Künste 
vergass er ebenfalls nicht; denn er trieb Musik und Malerei mit grossem Eifer malte 
selbst und spielte mehrere Instrumente. Der Musiker Casella, der Architect Arnolfo 
der Maler Giotto gehörten zu seinen vertrauten Freunden. Casella war der berühmte’ 
Sänger, der einige von Dante’s Canzonen in Musik gesetzt hat, Giotto der berühmte 
Maler, dem wir sein Bild verdanken. - Die Dichter Guido Cavalcanti, Giaeopo de 
r °di, Dante da Ma J ano ’ de Cino de Pistoja gehörten zu seinem Kreise. Besonders 
werth war ihm Guido Cavalcanti, dem er vor allen Andern, die vor ihm gelebt haben 
den Ruhm der Sprache (la gloria della lingua) zugesteht. 
So eignete er sich Alles an, was Italien bot und was Italien hatte; aber wenn 
w,r schon, soweit wie in der Geschichte zurückgehen und Kunde haben von „rossen 
Männern, bei Thaies, Pythagoras, Platon sehen, dass der Wissensdrang sie hinaus- 
tneb Ober d.e Grenzen der Heimath und dass sie in dem Reisen ein nicht zu 
ersetzendes Bildungsmittel fanden, wie auch Güthe von sich sagt,, was ich nicht 
erlernt habe, das habe ich mir erwandert,“ so that desgleichen auch Dante Ob er 
in Oxford gewesen, wird bestritten, auch dass er in Flandern gewesen sei; aber sein 
Aufenthalt in Paris ist unzweifelhaft. Und wie es denn auch um diese Reisen stehen 
mag und gesetzt auch, sein eigener Wille hätte ihn nicht aus Florenz herausgebracht 
(obwohl es damals ganz m der Zeit lag, dass Gelehrte reisten), so bleibt es gewiss 
genug, dass das Schicksal dafür sorgte, ihn nicht in Ruh zu lassen. 
- , Da "‘ i ' k0 " ,me " Wir zu ™rte„ entscheidenden Moment in dem Leben 
Dantes und für das Verständuiss seiner Grösse - ich meine seine Verbannung. - 
Es giebt so vieles, was für uns nicht viel mehr als eine Redensart bleibt, bis 
W,r es an uns selbst erlebten oder vor Augen sahen. Cicero’s Lamentiren wie er 
verbannt wird, die Worte im Lear „Kent verbannt,“ wie verstehen und empfinden 
w,r diess ganz anders, seitdem wir aus unser,„ eigenen Vaterlande theure Landsleute 
m die Verbannung gehen sahn. Die Vei-hm,...n.r , 
. ° o auu - * eioannung muss, wenn irgend etwas, im 
otande sein, unser Herz zu brechen n fl nfo i,„f ,,, i . , 
’ meenen. Uante hat auch seine Verbannung nie über 
wunden. Freilich, erkennete der Mensch selbst win j i • . 
’ . Pensen selbst, wie viel er oft grade demjenigen, was 
das Bitterste für ihn ist, verdankt, dann würde Dante seine Verbann,nm nicht aus 
seinem Leben verbannt haben, so durchaus entscheidend ist sie für seine Grösse. 
Diess erkennt schon der grosse Landsmann Dante’s, der 300 Jahre nach ihm lebte 
Michelangelo, indem er in einer Sonnette über Dante sagt: 
Doch, war ich auch zu gleichem Loos geboren, 
für harten Bann wollt ich mit seiner Grösse 
Dem höchsten Glücke dieser Welt entsagen.
	        
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