Full text: (Band XII.)

D 
Di voi, quando nel mondo ad ora ad ora 
Mi’ nsegnavate come l’uom s’eterna. 
Ich will mich gerne bescheiden, dass meine Erklärung dieser Worte weniger richtig 
sei als die Anderer; aber ich kann doch von der Erklärung nicht weichen, wie ich 
sie schon vor Jahren gab, dass das come Vuom s’eterna Dante’s Auffassung von dem 
Lehramt enthält und daher heisst: Dein theures gutes väterliches Bild hat sich 
meiner Seele eingeprägt, als du auf dieser Welt mich lehrtest, wie die Liebe zum 
Ewigen des Menschen Aufgabe ist. Dante scheint mir will sagen, Du Brunetto warst 
ein Lehrer im wahren Sinn des Worts; denn das ist das Hauptamt des Lehrers die 
Liebe zum Ewigen zu erwecken, den Sinn und die Begeisterung für die Ideen 
das Ideale. 
Damit hängt meiner Meinung nach genau zusammen die Stelle Inferno XVI 
v. 118, wo Dante sich über die Schärfe des kindlichen Blicks ausspricht. 
Abi quanto cauti gli uornini esso denno 
Presso a color che non veggon pur l’opra, 
Ma per entro i pensier miran col senno. 
Behutsamkeit vergesst, ihr Menschen, nicht 
Bei solchen, die des Herzens Sinn erspähen, 
Und nicht die That allein und das Gesicht. 
Dante wird auch andere Lehrer in seiner Kindheit gehabt haben; bei dem Brunetto 
Latini ist aber sein ganzes Herz in der Verehrung des reinen Characters seines Leh- 
c s. EipCnthum j in der Erwähnung Brunetto’s nicht dessen 
gedenkt, wie auch in anderer Weise durch ihn eine neue Welt ihm aufgegangen sei 
Denn in dem Wort Latini liegt ganz deutlich die Bezeichnung einer neuen Cultur- 
periode Europa’s. Mit Latini wird gesagt, dass das Latein als Studium begann. 
Sonst ist dessen, wie wir später sehen werden, Dante sich sehr wohl bewusst Es 
ist das sogenannte Wiederaufleben der classischen Studien, das beginnt, es ist die 
Verbindung einer Gegenwart mit der Vergangenheit, die beginnt und ohne die Dante 
nicht wäre. Wer aber nicht daran zweifelt, dass ein Lehrer besonders in unserer 
Kindheit über uns entscheidet, wird bereit sein, darin einzustimmen, dass dieses Ver- 
hältniss Dante’s zu Brunetto Latini das erste entscheidende Moment für das Vor- 
ständniss Dante’s ist. 
Dante kannte, wie das aus seinen Werken hervorgeht, verschiedene Sprachen, 
alte und neue, und beschäftigte sich viel mit Dichtern, besonders mit Virml. Dieser 
wurde, wie er selbst sagt, sein Meister und Lehrer (il suo maestro e il suo autore). 
Noch in sein Knabenalter fallt seine Liebe zur Beatrix, dem Kinde. Es <r e ht 
nicht, über dergleichen zu spötteln, wenigstens nicht in diesem concreten Fall. Dante 
steht und fällt mit dieser Liebe. Wir müssen nicht vergessen, dass Dante eine 
Dichterseele war, auch nicht, wie dieses Land Italien, geographisch zugespitzt, vor
	        
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