Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1865 (Band XII.)

Hochzuehrende Versammlung! 
Wir feiern den Geburtstag unseres Herzogs. Wir vertrauen der Vorsehung, 
dass jede künftige Feier dieses Tages mehr und mehr ein Zeugniss geben werde von 
wachsendem Glück, von Frieden und hreudigkeit. Es wird dann die Rede wieder 
nach altem Brauch auch aus fernen Zeiten und fernen Kreisen den Stoff entlehnen, 
anregend zum Guten, warnend vor Irrthum, zu Preis und Dank dem er gebührt. 
Heute fordert die Gegenwart die Rede aus der Gegenwart. 
„Mein Recht ist Eure Rettung.“ So lautete das Wort, das erste Wort, 
welches unser Herzog zu uns sprach. Das Recht ist die Rettung. Das war von 
jeher die Hoffnung und die Zuversicht unseres Landes. Und wie des Landes, so war 
es die Zuversicht dieser seiner höchsten wissenschaftlichen Anstalt. Sie hat es ausge- 
sprochen gleich nach dem Tode des letzten Herzogs aus dem altern Königlichen Hause, 
als sie sich genöthigt sah, um des Rechtes willen den innerhalb dreier Tage gefor 
derten Eid dem neuen König von Dänemark zu verweigern. Sie hat es ausgesprochen, 
als sie im Dienst der Wahrheit in Gegenwart der Dänischen Militärmacht und der 
Dänischen Civil- und Militärbehörden nicht anders reden durfte, als demnächst in 
Gegenwart der Deutschen Bundestruppen und heute in Gegenwart der Auctoritäten 
der beiden Deutschen Grossmächfe, als sie damals wie heute das Recht, die Bil 
dung, die göttliche Fügung selbst anrufen durfte als Zeugen, dass die Zeit der 
Rettung gekommen sei. Sie hat es ausgesprochen, als sie wenige Tage vor dem 
Schluss des Jahrs unter der noch fortdauernden Herrschaft der Dänischen Bajonnette 
in unserer Stadt eine Gesandtschaft an den Herzog nach Gotha abordnete, um ihm 
die Huldigung der Universität, die Anerkennung seines Rechts, welches unser Recht 
ist, darzubringen, und als sie einen Monat später durch eine Gesandtschaft an den 
König von Preussen die Anerkennung des Herzogs als des rechtmässigen Landesherrn 
erbat. Sie hat es ausgesprochen an jenem Jubeltage der Ankunft des Herzogs, dessen 
kühner Entschluss, sein Geschick mit dem unsrigen zu Einem zu machen, die Ur- 
bedingung der grossen Ereignisse geworden, welche bis auf diesen Tag in schneller 
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