Full text: (Band XII.)

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überall einzuführen sei, hinstellt. Selbst Stahl räumt ein, dass die Republik 
»nicht minder nach Gottes Ordnung zulässig, nicht minder rechtsbegründet, und, wo 
ein Staat (ein Volk) diesen Beruf hat, nicht minder eine heilsame und der monar 
chischen ebenbürtige Verfassung sei.“ Nicht die abstracte Vorzüglichkeit der Form, 
sondern das Leben der Völker ist das Entscheidende über den Vorzug der Staats 
formen. Das Leben des Volks ist mehr werth als seine Staatsform. 
Die reinen Staatsformen existiren überdies nur im Begriffe, in der Wirklich 
keit ist jeder Staat ein mehr oder weniger gemischter, ein temperirter. Die absolute 
Monarchie, dass nur Einer herrscht, findet sich nirgends, es nehmen immer Mehrere 
wenn auch nur als höchste doch relativ selbstständig gestellte Beamte an der Herr 
schaft Theil. Die reine, begriffliche Demokratie würde die sein, wo allein das Loos 
über die Ernennung zur Obrigkeit entscheidet, da wenn alle gleich sind, es einerlei 
ist, wen das Loos trifft. Schon die Wahl ist aristokratisch, sie setzt einen bevor 
zugten Stand von Wahlcandidaten. Die reine Demokratie kommt daher auch nirgends 
vor. Sie ist wie die absolute Monarchie nur eine politische Tendenz. Es giebt in 
jedem Volke Menschen von hohen und vorzüglichen Eigenschaften, welche auch in 
der Demokratie ein Uebergewicht gewinnen. Die Aristokratie geht bald in die Mon 
archie, bald in die Demokratie über; aus dem herrschenden Stande geht ein Fürst 
hervor, oder die beherrschten Stände gelangen zur gleichen Berechtigung mit den bis 
dahin herrschenden. Aber das wahre Element der Demokratie, der Aristokratie und der 
Monarchie muss in jedem Staate sein, ein Princip des Fortschrittes zum Neuen, der 
Erhaltung der erworbenen und lebensfähigen Güter des geschichtlichen Lebens, und 
ein monarchisches Princip der centralen Kraft. In der Anerkennung dieser Princi- 
pien und Forderungen in dem Leben des Volkes liegt das Ideal des Staates. Frei 
heit, einheitliche Macht und Continuität in der geschichtlichen Entwicklung gehören 
zum Gedeihen des Staates. 
•) Stahl a. a. O. B. 2. Abth. 2. S. 479.
	        
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