Full text: (Band VIII.)

Nachdem wir über den Verfasser des Briefs an die Hebräer gehandelt 1 ) und 
gesehen haben, dass er von dem berühmten Heidenboten Barnabas geschrieben ward, 
wenden wir uns zu der andern Hauptfrage, welche sich auf seine Leser bezieht, 
wobei wir auch seinen Abfassungsort berühren und namentlich den Zustand und die 
Verhältnisse des christlichen Kreises, welchem die Leser angehören, nach Massgabe 
unsers Briefs und sonstiger Nachrichten genauer werden erörtern müssen. Bei dieser 
Fassung unserer Frage hotten wir zugleich einen Beitrag zur Geschichte des Ur- 
christenthums zu geben. Die Hauptschwierigkeit unserer Frage beruht darauf, dass 
im Briefe selber alle auf die Leser bezüglichen ausdrücklichen Angaben fehlen, und 
dieselbe dadurch noch verwickelter geworden ist, dass auf ihre Beantwortung von 
Alters her die irrige Meinung einer mittelbaren oder unmittelbaren Abfassung des 
Briefs durch den Apostel Paulus vielfach eingewirkt hat. 
Rücksichtlich der Meinungen der alten Kirche über die Leser können wir 
uns nach dem früher Ermittelten kürzer fassen. Von den Vätern der Kirche, sobald 
sie sich bestimmter aussprechen, was Anfangs weniger geschieht, werden die palä 
stinensischen oder auch sämmtliche Judenchristen, die Christen von Alexan 
drien und von Laodicea als Leser bezeichnet. 
An palästinensische Judenchristen haben unstreitig mehrere von denen gedacht, 
welche nach dem Vorgänge des alexandrinisehen Clemens 2 ) und wahrscheinlich auch 
seines Lehrers Pantänus den Brief an die Hebräer von dem Apostel Paulus hebräisch 
geschrieben sein lassen. Ob Clemens und Pantänus selber diese Ansicht hegten, 
lässt sich nicht mit Sicherheit behaupten, da diese vielmehr die Oertlichkeit 3 ) der 
1 ) Vgl. Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahr 18ti(). VI. 1., wo auch die betreffende 
Litteratur über den Brief an die Hebräer S. 1 verzeichnet steht, auf welche wir hier verweisen. 
2 ) A. a. O. S. 9 ff. 
3 ) Die betreffenden Worte des Clemens in den Hypotyposen lauten bei Euseb. h. e. 6, 14: 
Kcd Ttjv 7IQOS 'KßQuCovs de imßToktjv IUtvkov fitv tlvcu if^ßl (Clemens), yeyQttfp&ai dl ‘Kßqttiois 
*UßQKiXrj (füivfi, Aovxttv de if iXorCfjtuq ttvTrji' /bit&eQpiyvevßavTa (xdovvcu toT( ”K k k rj ß t v. ' Hßfttüoi kann hier 
nicht in dem engern, specifischen Sinne von Apstg. 6, 1. gemeint sein, da es wegen seines aus 
drücklichen Gegensatzes zu den "Ekkrjvtg (nicht ‘ Ekktivtßrai), d. h. den griechischredenden Ullclitj uden, 
von den Nationaljuden überhaupt zu verstehen ist, wie denn bald nachher auch wieder die (dvtj 
den Gegensatz zu den ‘KßgaTot bilden. 
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