Full text: (Band VII.)

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J. J. Moser sagt in seiner Schrift, die wohl die kleinste in der grossen Zahl seiner Schriften 
ist: Neueste Geschichte der teutschen Staats-Rechts-Lehre und deren Lehrer. Frankf. 1770. 8. S. 90 
von Carrach: „Er ist nicht ungeschickt, aber seine Grundsätze taugen nichts.“ Weidlich nahm an, 
dass seine spätem Grundsätze im teutschen Staatsrechte den vorigen entgegengesetzt seien. Der 
brave Moser übergeht sich selbst in dem Büchelchen nicht, er sagt S. 114: „ich bin kein Partie 
gänger, sondern schreibe, soviel möglich und rechtlich. ist, ohne Menschenfurcht und Gefälligkeit—, 
auch haben meine Schriften gute Register —.“ 
27) Johann Heinrich Fricke*) 
bekleidete vom 13. April 1770 bis August 1773 die dritte juristische Professur in Kiel neben Ga- 
dendam und Winkler; er erbot sich zu Vorlesungen über AVechselrecht, deutsches Recht nach Selchow, 
Staatsrecht und Reichsgeschichte nach Pütter, Prozess nach Knorr, Institutionen nach ifeinecius, 
Pandekten, Kirchenrecht, Lehnrecht nach Böhmer. 
Nach Gadendams Tod — er starb 1771 den 8. August — waren Winkler und Fricke die 
einzigen juristischen Professoren; Georg Brökel trat jedoch im October 1773 ein, und als Fricke 
nach Halle ging, J. D. Mellmann. 
Fricke war in Wolfenbüttel geboren, hatte in Göttingen studirt, ward dort**) promovirt und 
darauf daselbst Universitätsactuar und Privatdocent. Fr. vcrliess Kiel 1773 und ging als ordent 
licher Professor nach Halle, wo er 1775 starb. 
In Göttingen liess Fricke 1768 ein Programm: Von der Nothwcndigkcit, die besondern teut 
schen Privatrechte auf Academien zu lehren, drucken, welches eine Uebersicht mehrerer spccicller 
Theile des deutschen Privatrechts enthält, weil er für nöthig hielt, dass die jura specialia: Seerecht, 
Kriegsrecht, Bergrecht, Forstrecht, das Recht der Handwerker und Wechsclrecht in Vorlesungen 
erörtert würden, man könne in einem Semester diese genannten Rcchtstheile absolviren. 
1770 schrieb Fr. zu seinen in Kiel zu haltenden Vorlesungen ein Programm, und gab darin 
an, was er in einem zweijährigen Cursus in öffentlichen und privaten Vorlesungen vortragen wolle; 
für die erstem bestimmte er die specicllcn Privatrechte, für die zweiten in einem Semester Rechts 
geschichte, Institutionen, Reichsgeschichte, Reichsprozess, Practicum, im andern Pandekten, deutsches 
Recht, Canon. Recht, deutsches Staatsrecht Und Practicum. Für das zweite Jahr sollten dieselben 
Vorlesungen wiederkehren, aber noch in einem Semester das Lehnrccht, im andern das Criminal- 
recht hinzukommen, jedoch das Canon. Recht dann wegfallen. 
Der Umfang der Vorlesungen war also ein sehr grosser. 
Das Programm selbst handelt de moratono, dass ein vom Kaiser ertheiltes Moratorium ohne 
Bewillin-uno- des Landesherrn nicht gelte u. s. w. Dies Programm von 1770 ist angezeigt in der Gel. 
Zeitung Jahrg. 1, Abthlg. 1. Kiel 1771. S. 97. 
1771 gab er: Grundsätze des Rechts der Handwerker. Göttingen u. Kiel, 8. 142 SS., heraus. 
Das Göttinger Programm von 1768 ist im Anhänge wiederabgedruckt. Der Verfasser hat besonders 
*) Vergl. Putter, Versuch einer acad. Gel. Gcschichto von Göttingen. Th. 2, S. 69. Meusel, Lexikon der von 1750 
bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Bd. 3, S. 501. Itolermund, das Gel. Hannover. B. 2, S. 73. 
**) Putter’s Angabe, dass Fricke erst 1770 in Göttingon promovirt sei, passt nicht zu Fricke's eigner Angabe; er 
nennt sich auf dem Programm von 1768: Von der Nothwcndigkcit, die besondern teutschen Privat - Rechte u. s. w., Doctor 
der Rechte, und sagt in der Vorrede vom 1. Mai 1771 zu dem wieder gedruckten Progr.s „vor einigen Jahren veranlasstc 
mich die nothw'cndige Cultur, das im Anhang beigedruckte Programm zu schreiben: Aus denen nach dem Plan desselben 
gehaltenen Vorlesungen“ u. s. w.
	        
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