Full text: (Band VII.)

er erhielt 1757 den Titel eines fürstl. und gräfl. Ysenburg. Hofraths, 1764 ward er ordentlicher 
Professor der Rechte in Duisburg, im Januar 1768 erhielt er einen Ruf nach Kiel als erster Pro 
fessor der Rechte; am 12. April desselben Jahrs ward er auch zum Prokanzler ernannt. Das Ge 
halt von 800 Rthlr. war für die damalige Zeit ungewöhnlich gross, 500 Rthlr. wurden aus dem 
aeademischen Fiscus, 300 aus der Kammerkasse gezahlt. Nach dem Protokoll der juristischen 
Facultät war nach Dorns Tod die erste juristische Professur in Kiel mehreren Juristen in Jena und 
Göttingen unter vortheilhaften Bedingungen vergeblich angeboten. Gadendam und Winkler rückten 
nicht in den ersten Platz. Denique, heisst es dann in dem von diesen beiden Unterzeichneten Protokoll 
von 1768, illustris Joannes Philippus de Carrach dignus visus est, cui ex academia Teutoburgensi 
hue evocato cum munere Procancellarii primae deferentur. Advenerat is 27. Sept, diu exspectatus, 
quin desideratus enixe et hodie 4. Octobris in consessu jusjurandum facultati praestitit, quo conven- 
tiones sensim initas observantiamque ordinis simul adprobavit expresse; ita primus locus ipsi assigna- 
tus est. Zum Jahr 1769 ist bemerkt: ante festum paschatos Jo. Phil, de Carrach omni honore tarn 
consiliarii status quam procancellarii et professoris primarii spoliatus, ablatoque diplomate et titulo 
propediem urbe et ducatu excedere jussus est. Acta facultati Duisburgensi missa clarn abstulerat 
cum pecunia 145 thaler., quam ob rem academia Teutoburgensis, querelas suas ad nos deferendo, 
acta cum pecunia repetiit. At ille stolide terox neque bono consilio locum dare, neque mandatis ea 
de causa decretis obtemperare voluit, donee illustr. regimen immissionc militari omnia extorqueret. 
Postremo literae e sanctione senatu regis Borussiae missae nuntiaverunt, cum hominem pedibus itcr 
facientem noctu clam Teutoburgo se subripuisse neque unquam, ut mitteretur honesto, supplices 
preces exhibuisse; obstrictam igitur adhuc esse regi sacramento, quo minime solutus spartam deseruerat. 
Ita ingens spes de eo concepta non sine pudore cito evanuit. 
Die Erscheinung von Carrach und die Unzufriedenheit seiner Collegen über ihn erinnert 
an Ilarpprecht von Harpprechtstein, der freilich länger blieb, aber noch grossem Hass auf sich lud. 
Einer seiner Collegen, Gentzke, nannte ihn in einer Sitzung „den bekannten Bösewicht“. Ueber 
Carrach, der 1769 Kiel verlicss, sagt Christiani in einem Programm v. 1788: Nachricht von der 
Würde eines academ. Canzlers und Procanzlers S. 17: „Es ist allgemein bekannt, durch welches 
Betragen er die Gnade der Monarchin, die ihn berufen hatte, verwürkte, und warum er noch vor 
Ablauf eines halben Jahrs, seiner Aemter und Ehrenstellen entsetzet, Kiel zu verlassen gezwungen 
ward.“ Nach Weidlich 1. c. ging Carrach von Kiel nach Wien und soll dort zur catholischen Kirche 
übergetreten sein, obgleich er eifrig die Rechte der Protestanten vertheidigt hatte. Die einzige 
Schrift, welche Carrach nach Weidlich in Kiel drucken liess: Quatcnus a doctrinis academicorum vel 
ex assertis scriptorum seu aulicorum seit privatorum valeat argumentum adversus imperantem, cui 
subsunt, ejusve aularn et rempublicam? Kil. 1768, kenne ich nicht; die übrigen Schriften sind meistens 
Dissertationen, ich hebe nur zwei politische hervor: 
1) Die unrichtigen Begriffe von der Obrist - Reichs - Richterlichen Gewalt des Kaisers. 
Halle 1758. 4. 
Carrach sagt, die Behauptung von der alleinigen höchsten Jurisdiction des Kaisers 
sei eine der allerseltsamsten und unrichtigsten, die höchste Gerichtsbarkeit stehe dem Kaiser, den 
Churfürsten und Ständen des Reichs zu. 
2) Reichs - Grund - Gesetz- und Observanz - massiger Bericht von der Reichs-Acht. 
Halle 1758. 4. 
Nach der gegen Friedrich 11. ausgesprochenen Reichsacht erschienen mehrere Schriften gegen 
die Gültigkeit derselben. Auch Carrach deducirt, dass die Achts-Erklärung gegen Friedrich II. 
wegen mehrerer Mängel ungültig sei.
	        
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