Full text: (Band VII.)

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Dreyer sagt in seinen Beiträgen zur Literatur der nordischen Rechtsgel. Hamb. 1794 in der Vorrede: 
„ Winkler gerieth in gänzlichen Verfall, Unordnung, Verwirrung seines häuslichen Wesens und sonst 
in mancherlei missliche Umstände.“ Die juristische Facultät hatte nach Winklers Angabe bei der 
Anzeise seiner Vorlesungen für das Wintersemester 17§£ von der Regierung den Auftrag erhalten, 
praemissa juris patrii historia ein Compendium des einheimischen Rechts zu schreiben. Gadendam 
Hess 1770 die freilich dürftige historia juris patrii drucken, Winkler, der das Lehrbuch zu schreiben 
übernommen hatte, vollendete, obgleich ihm Dreyer seine Vorarbeiten geliehen hatte, dasselbe nicht. 
Die Regierung rescribirte 1770, dass die Professor Winkler bewilligte Zulage von 100 Rthlr. nicht 
auszuzahlen sei, „ehe und bevor das von ihm zu verfassende compendium juris patrii völlig zum 
Abdruck fertig sein wird“. Auf der Kieler Universitätsbibliothek*) befindet sich eine handschrift 
liche historia juris patrii von 11 inkier, die seht ungenügend ist. 
Die mir bekannt gewordenen Schriften, an denen Winkler entweder als Präses Theil nahm, 
oder die von ihm verfasst wurden, sind die gleich anzuführenden. Bei den Inauguraldissertationen 
ist freilich wohl anzunehmen, dass sie nach neuerer Sitte der Hauptsache nach von den Respondentcn 
geschrieben sind. Unter den Schriften ist nur eine Fridericianiache Dissertation, es scheint also, 
dass das durch Dreyer und Lackmann geförderte Disputiren der Studirenden nach der Vorschrift 
des Herzogs Friedrich wieder in Verfall gerathen sein muss, was auch eine Anordnung vom 6. Aug. 
1767 bestätigt, die vorschreibt, dass alle Monat eine Frideric. Disputation sein solle. 
U De relocationc tacita ad 1. 138 ult. D. locati quaedam commentatur. Lips. 1744. Der Ver 
fasser gratulirte durch diese kleine Schrift den juristischen Doctoranden dir. Willi. Kästner und G. 
Z. Winkler; bei der relocatio tacita ist nach W. kein fingirter Conscns, sondern die Billigkeit als 
Grund anzusehen. Wie lange der Conductor nach abgelaufener Miethzcit geblieben sein müsse, 
um auf eine Relocatio zu schliessen, hängt nach W. im einzelnen Fall vom Arbitrium des Richters 
ab; bei praediis rusticis dauert die relocatio tacita immer nur ein Jahr, bei praed. urbanis dauert 
sie nach W. so lange, als die Micthe zuerst verabredet war; W. folgert dies aus den Worten prout 
quisque habitaverit, cs heisse nicht prout quisque remanserit. 
2) 1745 ^De jure primär, precum ad victorcm terrarum imperatoris non transeunte. Lips. 1745. 
Der Verfasser behauptet in dieser Gratulationsschrift an seinen Stiefvater, Professor Ayrer in Göttin 
gen, dass die mit dem eroberten Territorium verbundenen Rechte auf den Sieger übergehen, nicht 
aber die sonst dem besiegten Fürsten zustehenden Gerechtsame. Das Recht der ersten Bitte soll, so 
weit es dem Kaiser zusteht, durch die Occupation des Territoriums nicht dem Sieger zustehen. 
3) 1745: Die Inauguraldissertation Winklers, de favore causarum matrimon. nimio e foris 
proscribendo. W. behauptet, cs sei ungegründet, dass in causis matrim. die cautio pro rcconvcntione 
et expensis nicht verlangt werden könne, dass die Eidesdelation unzulässig sei u. s. w. 
4) 1758 den 25. Febr. disputirtc unter Winkler zur Erlangung der Licentia der Lübecker 
Herrn. Dietr. Krohn über die triga cxercitationum ad jus Lubcc. 1) de creditorc sibi vigilante; 2) de 
privigna, acccpto tutorum spontc solo honor, paternor. semisse, cum vitrico et uterinis matri in capita 
succed.; 3) de successione fisci. Der Respondent nennt sich Auctor, bei der ersten Frage werden 
die Erweiterungen des Röm. Rechts durch das Lübschc erwähnt, bei der zweiten wird Mevius von 
der Praxis angenommene Ansicht dargelegt, ut conjux superstes praeter ca, quae ipse attulit, bono 
rum conjugis pracdcfüncti portioncm virdcm sibi habcat. Der Verfasser behandelt einen in Rostock 
vorgekommenen Rechtsfall. Eine Wittwc nahm bei Eingehung der zweiten Ehe ihre Plata und das 
#) Vergl. Itatjen, Vcrieichniss der Handschriften. B. 2. S. 68 und dessen Beitrag zur Geschichte der Kieler Univer 
sität. S. 59.
	        
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