Full text: (Band VII.)

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II. Yon der Universität im Allgemeinen und den 
U niversitätsinstituten. 
1) Zur Geschichte der Universität. 
A. Die Professoren der juristischen Facultät. 
(Fortsetzung der Chronik für 1856 S. 18—22, 1857 S. 5—23, 1858 S, 4—85, 1859 S. 4—78) 
Zu dein in der Chronik des Jahrs 1859 erwähnten Professor Gadendam bemerke ich nach 
träglich, dass 1768 unter seinem Decanat der Lübecker Feter Heinrich Carstens „Theses inaugurates 
singularia quaedam compensation^ et retentionis. Kil.“ vertheidigte. Ausserdem ist zu erwähnen, 
dass Joh. Friedr. Vetter aus Osnabrück 17GG in Kiel unter Gadendams Decanat als Privatdooent auf 
zutreten suchte. Ueber sein Leben giebt V. einige Nachrichten in seinen Schriften, von denen ich nur 
vier kenne. Im Jahr 1730 war V. m Halle promovirt unter J. 11. Boehmer, die disp. secularis et in- 
auguralis handelt de beneficiis juris Augustanae confessionis, sie giebt keine Auskunft über den 
Respondenten. Am 27. September 1735 ward Vetter, Doctor philos. et juris utr., in Kiel als Studi- 
render inscribirt. Nach seiner eigenen Angabe in seinen in Hamburg 1766 erschienenen meditationes 
de procedendi modis in causa sequestrationis juuicialis secundum ordinat. cameralen p. 1. 2. 7. 8. 
15. war V. einige Jahre, 1732—35, in Wien, um die Rechte mehrerer Fürsten durch Schriften zu 
vertheidigen, ward dann vom Könige von Dänemark zum Advocatcn supremi tribunalis in Holsatico- 
Slesvic. ducatu ernannt, fungirte darauf nach Ernennung des Herzogs Carl Leopold von 1743—1747 
als Mecklenburg. Hofrath, war von 1752—1755 Advocat in Wetzlar, und später elf Jahre Professor 
der Rechte und der Politik am academischen Gymnasium zu Hamm, wo er von der Wutli seiner 
Feinde und dem Kriegsunglück viel zu leiden hatte. Die mir bekannten Schriften dieses viel ge 
wanderten Doctors sind: 1) meditationes philos. de gravium aestimatione, quas in itinere ac quidem 
horis vacive transeuntibus elucubravit s. I. 1743; der Verfasser nennt sich auf dem Titel Philos. ot 
juris utr. doctor ut et advocatus ordin. Slesvicensis. Die Vorrede dieser dem Lübecker Senat ge 
widmeten Schrift ist unterschrieben Lubecae XVI Novb. 1743; in einer 
unterschrieben 
utrum ignis 
auch die ^ 
druckt. Vetter sagt, er habe sich mit dieser Schrift sehr beeilt, weil derjenige, welcher keine BücEer 
erhalten, aber dabei die Wissenschaften nicht vernachlässigt und diese Schrift in itineve, ccrtas ob 
causas ab aug. Darorum rege, regiis litteris clement, mihi concesso atque institute ausgearbeitet. 
2) Rechtliches Bedenken über drei wichtige, die Religions-Freiheit in dem teutschen Reiche be 
treffende Fragen aus dem instrumento pacis Westphalicae erwiesen. Wetzlar 1752. Die erste Fraire • 
ob ein katholischer Fürst, so einem Evangelischen in principatu mere evangel, succedirt, das völlige 
exercitium der Röm. katholischen Religion neben der evangelischen einzuführen berechtiget? wird 
verneint. Die zweite Erage: ob ein solcher Fürst für sich das exercitium seiner Religion im Lande 
haben könne wird unter Erklärung des secum in residentia sua im Wostphäl. Frieden Artie. 7 be 
jaht. Die dritte Frage: ob ein solcher Fürst jurisdictionein ecclesiast. et jura episcopalia in subditos 
Augustanos exerciren könne? wird verneint. Vetter nennt sich auf dem Titel: der Philosophie und 
der Rechte Doctor, KönigL Dän. u. Herzogi. Mecklenb. respective Hofrath auch Ober-Gerichts- 11 
Regie rungs-Advokat des Herzogthums Holstein. 3) Meditationes de jure restringendi libertate 
conscientiae, quibus praelectioncs future seinestri a festo Michaelis hu jus anni usque ad futuru 
lestum paschatos in aedibus suis privatim habendas indicit Killae 1766. Vetter erbietet sich in diese: 
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t rogramm m Kiel für die Studirenden Hoppes examen institutt., B. G. Struves teutsche Reichs- 
histone, Sam. Stryk's examen juris feudalis zu erklären und nach .7. .7. Mosers Grundriss öffentliches 
]cl . iren > er beruft sich für die Berechtigung, Vorlesungen zu halten, auf die ihm von J. 
H. Böhmer 1730 bei der Promotion ertheilten Rechte, ln dem Protokoll der Kieler juristischen 
Facultät von 1766 bemerkte Professor Gadendam, Vetter habe gehofft, nach Horns Tod als erster 
1 lofessor der Rechte einzutreten, die Racultät habe ihm das Halten von Vorlesungen vor erhaltener 
heentia untersagt, während dieser Verhandlung sei unvermuthet ein specielles Rescript eingegangen, 
dem Doctor Vetter das consilium abeundi nec revertendi zu ertheilen. Der Inhalt des erwähnten 
1 rogramms konnte diese Ausweisung nicht wohl veranlasst haben, V. vertheidigt die Gewissens-
	        
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