Full text: (Band VII.)

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Breslau im Jahre 1852 verwaltete Weber die Direction der inedicinischen Klinik bis zur Anstellung 
des Professors Götz im Jahre 1858 und trat auch fiir diese Zeit ins Examinationscollegium ein. 
Dann machte er mit Dr. (jetzt Professor) Bartels im August eine Reise nach Wien, um sich in den 
Krankenhäusern dort neues Material fiir seine Forschungen zu suchen und Rokitansky persönlich 
kennen zu lernen. Die Reisenden verweilten (i Wochen in Wien. ■— Von da an war Webers Beben 
ganz seinen academischen Vorlesungen, der Leitung der Sectionen und seiner sich immerfort meh 
renden Praxis gewidmet. Als Lehrer zeichnete er sich aus durch seltene Klarheit, unerschöpfliche 
Geduld und Bereitwilligkeit, den Lernenden beizustehen, weshalb er die Achtung und fast aus 
nahmslos die persönliche Zuneigung seiner Schüler gewann. Als praktischer Arzt war er auf 
opfernd, sorgfältig und bis zum Aeussersten vorsichtig. Daher war er trotz seiner Liebenswürdig 
keit in seinen ärztlichen Anordnungen unerbittlich strenge und verlangte von seinen Kranken einen 
unbedingten Gehorsam. Die ihn fast am schmerzlichsten vermissen werden, das sind seine Collegen, 
denen er in ritterlicher Ehrenhaftigkeit zur Seite stand, so das schöne Verhältniss begründend, das 
unter ihnen herrscht. Unvergesslich aber bleibt er Allen, denen er in rührender Milde und Treue 
je als Arzt oder Mitmensch näher gekommen ist, unvergesslich dem Vaterlande, das er mit inniger 
Liebe umfasste. Kl. Gr. 
c) Habilitationen und Promotionen. 
ln der inedicinischen Facultät wurden promovirt: 
1) Karl Gustav Julius Witt aus Colmar (diss. exemplum neurotomiae prosopalgiae sa- 
nandae causa factae). 
2) Wilhelm Kästner aus Fehmarn (diss. monstri anatini bicorporei descriptio anatomica 
una cum disquisitione de ejus ortu). 
Adolph Meyer aus Glückstadt (diss iridectomia, quam vim habeat ad sanandas oculo- 
rum inflammationes nec.non ad tollenda mechanica visus impedimenta casibus non- 
nullis demonstratur). 
4) Christian Theodor Wolff aus Husum (diss. de balsamo copaivae). 
5) Martin Gilbert Mannhardt aus Hanerau (diss. osteotomiae spccimina duo). 
Die medicinische Facultät wurde in einem Schreiben vom 15. März 1859 von der London 
Medical Registration Office befragt, ob Herr William Anthony Scorrer Newby in Lanchester sich den 
medicinischen Doetorgrad an der Universität zu Kiel erworben habe? Da über diese Promotion in 
den Acten Nichts gefunden wurde, so erbat sich die Facultät die Angabe des Jahres der Promotion. 
In einem Schreiben des Herrn Neivby selbst wurde darauf der Facultät mitgetheilt, dass das Diplom 
vom 20. Juni 1845 datirt sei. Als sich indess bei sorgfältiger Durchsicht aller betreffenden Actenstückc 
fand, dass dasselbe nirgends angeführt war, ersuchte die Facultät Herrn Neivby, sein Diplom zur 
näheren Prüfung an die Facultät einzusenden. Als nun das dieser Aufforderung gemäss eingesandte 
Document sich unzweifelhaft als gefälscht auswies, beantragte die medicinische Facultät, dass eine 
Criminal Untersuchung vom academischen Gerichte in dieser Angelegenheit eingeleitet werde, um die 
Fälschung zu constatiren und um die weiteren zur Entdeckung des Thätors nöthigen Schritte vor 
zunehmen und dessen Bestrafung bei dem dazu zuständigen Gerichte zu veranlassen. Durch die 
Untersuchung des Gerichts wurde die Fälschung nicht nur constatjrt, sondern es wurde auch durch 
die eidliche Aussage und Erklärung desjenigen Setzers der Universitäts - Buchdruckerei, der seit 
20 Jahren die Diplome fast ohne Ausnahme gesetzt hat, festgcstellt, dass das betreffende Document
	        
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