Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

Sein Geist war rasch und lebendig, seine Fortschritte Ubertrafen aber nicht das Maass des Gewöhn 
lichen, weder Gegenstände noch Methode sagten ihm zu, der auf Anschauung und lebendiges Er 
fassen wie schon sein Vater angelegt war. Wie oft hat er itn späteren Leben bedauert, dass der 
ihm zu früh entrissen, dass er nicht von ihm frisch und lebendig in die Natur und ihre lichten 
Geheimnisse geführt worden. Wie lange sollte es noch währen, ehe er sich selbst dazu die Thiir 
öffnen konnte mit eigner Einsicht und Forschenslust. 
Er sollte anfänglich auf den Wunsch seiner Mutter Theologie studiren. Ein Uebermass von 
strenger Dogmatik schon in seinen Schuljahren, damals veranlasst durch den Rückschlag gegen den 
Rationalismus der veralteten Zeit und gerade in Kiel am drängendsten, scheuchte ihn davon zurück 
und gab seiner ganzen Weltanschauung ihre Richtung. Er wurde 1831 als Student der Medicin in 
Kiel inscribirt. Aber auch jetzt bind er noch nicht, was er suchte. Der grosse Schritt, der die 
neuere Medicin von der älteren Schule absondert und sie der eigenlichen Naturwissenschaft näher 
geführt hat, war noch nicht gethan. Weber hielt sich daher hauptsächlich an die Anatomie. Ent 
scheidender für sein Leben als die wissenschaftlichen Anregungen von Seiten seiner Lehrer, waren 
seine Jugendfreundschaften aus dieser Zeit, die er sein ganzes späteres Leben mit goldener Treue 
festgehalten hat. Im Jahre 1832 ging er auf ein halbes Jahr nach Kopenhagen, 1835 auf ein Jahr 
nach Göttingen. Ein Besuch führte ihn in dieser Zeit nach Halle, wo Krukenberg ihm einen Anstoss 
gab zu der Richtung, die er später als selbstständiger Forscher betreten sollte. Nur dieses Anstosses 
bedurfte es, um Fleiss und Eifer in dem jungen Mann zu erregen, der nun, im Jahre 1837, in 
seiner Vaterstadt Kiel das medicinische Examen so glänzend bestehen konnte, dass ihm der I. Cha 
rakter zu Theil ward. Seine Doctordisserfation ist betitelt: de idiosyncrasia in corpore rneo observata. — 
1842 habilitirte sich Weber als Privatdocent an der Universität Kiel und ward als Prosector an 
gestellt. Während der 3jährigen Reisen des Professors Belm, von 1845—48, vertrat er diesen als 
Docent der Anatomie und Director des /anatomischen Museums. In diese Zeit fällt die kleine Schrift 
Webers: Kurze Bemerkungen über die Section der Leiche. Kiel 1847, darauf berech 
net, die Aerzte des Landes für die pathologische Anatomie zu interessiren und zu veranlassen, dass 
sie pathologische Präparate nach Kiel schickten. Weber hatte nämlich schon seit 1843 über seinen 
besonderen Zweig der Wissenschaft, die pathologische Anatomie, Vorlesungen gehalten, und, 
indem er jetzt seine Hauptkraft diesem Zweige immer mehr zuwandte, benutzte er die Zeit seiner 
interimistischen Verwaltung des anatomischen Instituts, um dessen Vorräthe an pathologisch - anato 
mischen Präparaten für seinen und der Wissenschaft Gebrauch reichlich zu mehren. Aus diesen 
Arbeiten und Studien ging eine Schrift hervor, die, obgleich an Umfang nicht bedeutend und in 
ein abgelegenes Gebiet fallend, von allen Fachmännern anerkannt und gewürdigt worden ist, nämlich 
die Beiträge zur pathologischen Anatomie der Nengebornen. Kiel 1851 —54. Vor 
allen Dingen zeichnen sich die Beobachtungen in dieser Schrift, wie auch in anderen mehreren 
Aufsätzen, die Weber besonders für Virchow s Zeitschrift geliefert hat, aus durch eine gewissenhafte 
Genauigkeit und durch den Blick des praktischen Arztes. — Auf diesen seinen wissenschaftlichen 
Wegen war ihm der Hauptanstoss durch die Werke Rokitanskys geworden, dessen Einfluss Weber 
selbst wie eine Umwandlung in sich zu betrachten pflegte. So war es nun kein Wunder, wenn die 
Erscheinung zweier genialer Männer im Fache der Medicin an unserer Universität Weber ganz 
oigenthümlich hinriss, es waren Stromeyer und Frerichs. Der letztere besonders, als in seinen Fächern 
ihm näher stehend, brachte noch einmal seine ganze Kraft in Gährung. Mit Liebe und Hingebung 
hing er ihnen an, die sie herzlich erwiederten, und durch ihre Mitwirkung, die seinen Werth er 
kannten, wurde ihm im Jahre 1851 ein Lehrstuhl seiner Specialwissenschaft, der pathologischen 
Anatomie errichtet. Professor extraordinarius ist er geblieben. Nach Frerichs Abberufung nach
	        
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